EXPERIMENT - LIFE - POLITICS / Bauhaus Photography x Russian Avant-Garde

EXPERIMENT - LIFE - POLITICS / Bauhaus Photography x Russian Avant-Garde

freddo bartolucci by grit kallin-fischer

Grit Kallin-Fischer

Freddo Bartolucci, vers 1930 - 1931

samedi 2 mars 2013mardi 14 mai 2013


Cologne, Germany

Vernissage: Freitag, 1. März 2013, 18-21 Uhr
mit einer Einführung von Dr. Margarita Tupitsyn um 19:30 Uhr
Ausstellung: 2. März - 14. Mai 2013

Mit der Ausstellung “EXPERIMENT – LIFE – POLITICS” präsentiert die Galerie Priska Pasquer Fotografien aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, die als eine der bedeutendsten in der Entwicklung der Fotografie gilt. Während in Deutschland Bauhaus-Künstler vor allem Ende der 20er Jahre die Fotografie unter dem Schlagwort des „Neuen Sehens“ als Experimentierfeld nutzten, wurde das Medium in Russland zum Ausdruck politscher Veränderungen und gesellschaftlicher Idealvorstellungen.

Gezeigt werden Fotografien und Fotocollagen aus den Jahren 1919 bis 1939, unter anderem von T. Lux Feininger, Grit Kallin-Fischer, Alexander Rodchenko, Gustav Klutsis und Valentina Kulagina.

In der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg experimentierten Künstler mit einer neuen Formensprache, die das zeitgemäße Verlangen nach einer gesellschaftlichen Neudefinition widerspiegelten. Die drastischen soziopolitischen Veränderungen, die durch den Untergang der Monarchien und den revolutionären Bestrebungen ausgelöst wurden, führten zu einer neuen kollektiven Wahrnehmung der Realität. Diese konnte durch das von vielen Zeitgenossen als demokratisch definierte Medium der Fotografie, das sich technisch zu einem dynamischen Bildaufzeichnungsgerät entwickelt hatte, dokumentiert werden. Alexander Rodchenko zum Beispiel nutzte die Kamera, um den in der Ausstellung gezeigten “Puschkin-Platz” aus einer ungewöhnlich schrägen Vogelperspektive abzulichten.

Die enge Verbindung zwischen öffentlichem Ausdruck und privatem Lebensweg demonstrieren die ausgestellten Werke des Künstlerpaars Gustav Klutsis und Valentina Kulagina, das sich der Entwicklung der Propagandakunst verschrieben hatte. Gustav Klutsis, der 1935 sein Manuskript “Das Recht auf ein Experiment” im selben Jahr begann, in dem Walter Benjamin seinen bekannten Aufsatz “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” schrieb, nutzte neben extremen Perspektiven die Fotomontage, um soziopolitische Ziele der Öffentlichkeit näherzubringen. Auch in den Werken seiner Lebensgefährtin Valentina Kulagina kommen dieselben Verfahrensweisen zum Einsatz. Dass die politische Dimension der Fotografien von Klutsis-Kulagina nicht zuletzt auf ihrem privaten Lebensweg fußten, verdeutlichen Bilder wie Klutsis' “Selbstporträt”, in dem sich der Künstler als konzentrierter Dokumentarist seiner Zeit präsentiert.

In den Anfangsjahren des Bauhaus nahm die Fotografie vornehmlich die Rolle als ein dienendes Medium ein, das vor allem dazu genutzt wurde, die am Bauhaus entstandenen Arbeiten zu dokumentieren. Schüler wie Erich Consemüller fotografierten zum Beispiel ihre Vorkursarbeiten. Unter dem Einfluss des Bauhaus-Lehrers Laszlo Moholy-Nagy blühte um 1927 die Fotografie bei Bauhausschülern auf. Sie begannen mit dem Medium zu experimentieren und nahmen dabei Einflüsse des von Moholy-Nagy propagierten „Neuen Sehens“ als auch solche von den verschiedenen Avantgarde-Strömungen wie Surrealismus und Konstruktivismus auf. Die Ausstellung zeigt z. B. eine abstrakte Objektstudie von Piet Zwart von 1931, Inszenierungen menschlicher Rollenspiele von T. Lux Feininger mit extremen Licht- und Schattenspielen oder Porträts von Grit Kallin-Fischer, die aus ungewöhnlichen Perspektiven Momente des tiefen Nachsinnens und der Konzentration zeigen.