Christian Megert 'Licht und Bewegung’

Christian Megert 'Licht und Bewegung’

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Invitation

Prix sur demande

samedi 16 mars 2013samedi 18 mai 2013


Berlin, Germany

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Christian Megert
‘Licht und Bewegung’
Licht- und Lichtkinetische Objekte der 60er und 70er Jahre
Vernissage 15. März 2013 um 19 Uhr
Ausstellung: 16. März - 18. Mai 2013

Christian Megerts Lichtkästen sind einzigartige Kunstwerke. Gleichzeitig sind sie weit mehr als eine bestimmte Momentaufnahme von Megerts persönlicher Entwicklung als Künstler in den Sechziger Jahren – sie sind als eine zweifache Reflexion zu begreifen, weil sie uns die intellektuellen Umbrüche jener Zeit vor Augen führen, in der sich die Erfahrung der räumlichen Wahrnehmung grundlegend veränderte. Damals stand die Menschheit am Beginn des Zeitalters der Raumfahrt, aus dem heraus das völlig neue Gefühl entstand, das bis dahin ausschließlich theoretisch erfaßbare Kontinuum des Weltalls bekomme endlich eine neue, diesmal jedermann zugängliche Bedeutung. Auch Megert machte sich daran, vom festen Boden seiner Ästhetik aus die Begriffe Licht, Raum und Wahrnehmung neu zu erkunden. Er, der zunächst mit der Malerei der ‚art informel’ begann und Mitte bis Ende der Fünfziger Jahre an materialbasierten Monochromen arbeitete, schwenkte 1960/61 auf Experimente mit erweiterten Raumschöpfungen um, indem er Spiegelgläser ganz unmittelbar in seine künstlerische Arbeit einbrachte. Seine Reliefs aus Spiegelscherben erschlossen ihm jene potentielle Autonomie, die er mit Hilfe von gespiegeltem Licht, Spiegelgläsern und kinetischen Verschiebungen erreichen konnte; diese drei Elemente bildeten dann die Basis für den Bau von Lichtkästen, die der Künstler ab 1964 schuf und die nicht ihresgleichen kannten. Megerts Lichtkästen loten auf mannigfachste Weise aus, wie wir Wahrnehmung begreifen; sie werfen Licht auf unsere optischen Reaktionen, indem sie hinterfragen, was wir erleben, wenn sich Räume verschieben und staffeln. Megert nutzt bei seinen Installationen die Blickachsen von Spiegel zu Spiegel, verbunden mit der Interaktion mit Leuchtstoffröhren, wodurch er verdeutlicht, wie aktiv das unmittelbar wahrnehmende Erleben und die rein körperliche Erfahrung den Prozess unserer Wahrnehmung steuern. Bewegt sich der/die Betrachter/in im sie/ihn unmittelbar umgebenden Raum, unterliegen Erleben und Wahrnehmung einer ständigen Veränderung; macht man sich das bewußt, begreift man, welch unverzichtbare (und das heißt implizit: welch demokratische) Rolle das Publikum bei Megerts Lichtkästen spielt. Doch einerlei, ob Megert Spiegel-zu-Spiegel plus simple Leuchtstoffröhren benutzt oder statt dessen kinetische Installationen mit motorgetriebenen Spiegeln und Neonröhren entwirft, immer sind seine Lichtkästen Paradebeispiele und Pointierungen jenes radikalen Neudenkens, das in der Zeitspanne von den 1950ern bis zu den 1970ern wirksam wird und völlig neu erhellt, wie der Mensch den Raum sinnlich erlebt und wie nachdrücklich alle seine Erfahrungen vom Raumerleben definiert sind. Im Endeffekt machen uns Megerts Kunstwerke stärker als zuvor bewußt, daß sich die frühesten Erfahrungen, die wir auf der Welt machen, allesamt aus rein sensorischen Phänomenen ableiten und nicht etwa a priori aus unserem geistigen Bewußtsein. Wollten wir ein philosophisches Gleichnis heranziehen, könnten wir also jetzt – statt wie gehabt zu sagen, „ich denke, also bin ich“ – mit Fug und Recht behaupten „ich nehme wahr, also bin ich“; das wiederum würde den Schluß nahelegen, daß es beim ‚Sein in der Welt’ zuallererst um sinnliche Phänomene geht und erst danach um das selbstreflexive intellektuelle Bewußtsein samt seinen Verhärtungen, das dem Bewußtsein aufgezwungen wird.

Mark Gisbourne (Übersetzung Gerd Burger)

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Christian Megert
‘Light and Motion’
Light and Light Kinetic Objects from the 60s and 70s
Vernissage 15 March 2013 at 7 PM
Exhibition: 16 March - 18 May 2013

The light boxes of Christian Megert are unique and represent not only a moment in his own personal artistic development in the 1960s, but they are also a doubled reflection in sense of the intellectual changes that were taking place in terms of understanding the experience of spatial perception at that time. At the beginning of the modern space age and with a new feeling that the former only theorised continuum of outer space was at last made meaningful, Megert undertook his own aesthetic perceptual terrestrial investigations into light, space and role played by perception. While his art emerged from an early involvement with ‘informel’ painting and material-based monochromes in the mid-to-late 1950s, he began in 1960/61, to experiment with extended spatial realities presented through the use of mirror glass and incorporated them directly into his work. It was with his use of ‘shard’ mirror reliefs that he discovered the potential autonomies presented by the use of reflected light, mirrors and kinetic motion, and these formed the basis for the unique realisation of his light boxes from 1964 onwards. The light boxes investigate a large number of avenues of perception and our optical understanding of experiencing receding space. These take the form of mirror-to-mirror and florescent strip lighting interactions that serve to incorporate both the immediate perceptions of consciousness and the physical or bodily experience as actions involved in the processes of perceiving. As the viewer moves around in his/her immediate space the perceiving experience constantly changes, and as a result we are made increasingly aware of the incorporated (one might say implied democratic) role that is played by a percipient of a Megert light box work. Whether using the mirror-to-mirror and simple light strip approach, or incorporating the kinetic motorised aspects of moving mirrors and light strip contents, the light boxes reveal and reflect a radical rethinking of sensory space and human spatial experience that was taking place from the 1950s to 1970s. As a result they re-articulated an increased awareness that our first experiences of the world are in fact those derived from purely sensory phenomena rather than being dictated a priori by mental consciousness. Using a philosophical simile one might say, instead of ‘I think therefore I am’, it changed to ‘I perceive therefore I am’, suggesting that ‘being in the world’ is a sensory phenomena prior to the self-reflexive intellectual awareness and determination imposed on mental consciousness.

Mark Gisbourne