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9. Februar – 12. Mai 2012
Serialität ist als wesentlicher konzeptueller Aspekt im Werk Gerhard Richters bekannt, selten jedoch
wurde dieses fast schon programmatische Prinzip seines künstlerischen Schaffens in Ausstellungen
thematisiert und nachvollziehbar gemacht. Das Spannungsfeld zwischen Variation und serieller
Wiederholung sollte Richter besonders bei seinen Auflagenarbeiten immer wieder beschäftigen.
Während man in Anlehnung an das Buchwesen auch im Kunstbetrieb bei einer Edition von einer Serie
identischer Arbeiten ausgeht, hat Richter dieses Segment seiner Kunstproduktion von Beginn an
anders definiert: Bereits die im WVZ der Editionen als Nr. 2 ausgewiesene Arbeit 'Familie' von 1966
besteht aus 16 farblich deutlich unterschiedlichen Fassungen. Eine herkömmliche Auflage existiert
nicht. In der Ausstellung der Springer & Winckler Galerie werden die Editionen entsprechend einen
Schwerpunkt bilden.
Ein wesentlicher Anteil dieser Auflagenarbeiten
basiert auf dem Prinzip individueller Übermalung
auf identischer Grundlage, wobei die Träger der
Übermalung oft geradezu charakteristisch für
serielle Massenproduktion stehen. Bei der Edition
'FAZ' (2002) handelt es sich um Offsetprints,
wobei die Druckvorlage von 'FAZ' ebenfalls ein
übermaltes Massenmedium, eine Zeitung, ist. Für
die 'Goldbergvariationen' von 1984 hat der
Künstler Schallplatten übermalt; bei 'WAR CUT
II' (2004) dient der Klappendeckel eines
Künstlerbuches als Bildträger. Ein weiteres
Massenprodukt, der Wechselrahmen, ist
Grundlage von 'Schwarz-Rot-Gold II' (1998) bei der die Variation erst durch den Vergleich mehrerer
Exemplare ersichtlich wird. Für die gleichbleibende Farbkombination Schwarz, Rot und Gold, welche
mit Kunstharzfarbe hinter das Glas gemalt wurde, werden jeweils 4 verschiedene Töne verwendet. Die
Höhe der Auflage, 64, ergibt sich aus der Anzahl aller möglichen Kombinationen dieser 3 x 4
Farbstufen.
An der Grenze zu den Gemälden ist die Edition 'Rot-Blau-Gelb' von 1973 anzusiedeln, bei welcher
der Künstler 100 Leinwände unmittelbar nebeneinander in einem Block an die Wand hängte, die
dadurch entstandene Gesamtfläche in breiten, verschlungenen Pinselstrichen mit den drei
Primärfarben übermalte, und das Werk im Anschluss wieder auseinander nahm, um die Leinwände
einzeln zu verkaufen. Die jeweiligen Tafeln sind somit gleichzeitig Fragment und in sich
abgeschlossenes Werk. In der Ausstellung wird nun das ursprüngliche Gesamtbild in einem größeren
Ausschnitt sichtbar, indem sechs ursprünglich zusammenhängende Tafeln gemeinsam gezeigt
werden.
Gleichzeitig Edition und Gemälde sind die im Rahmen der seit den 70er Jahren immer wieder
aufgegriffenen Thematik der Farbfelder entstandenen 80 Fassungen der Quattro Colori von 2008. Das
Zufallsprinzip hat hier über Farbauswahl und Anordnung der jeweils vier industriell hergestellten
Emaillackplatten auf Holz entschieden. Der Künstler hat somit lediglich die Rahmenbedingungen der
Arbeiten festgelegt und sich ansonsten jedes individuellen künstlerischen Ausdrucks enthalten indem
er Auswahl, Produktion und Auftrag der Farbe aus der Hand gab. Die im Format an Aquarelle
erinnernden Arbeiten 'Abdallah' von 2010, bei denen Richter mit Lackfarbe hinter Glas gearbeitet hat,
sind, wie die Quattro Colori, als Serie entstanden, werden jedoch durch die Werkverzeichnisnummern
ausschließlich als Gemälde ausgewiesen.
Ebenfalls mithilfe eines computergesteuerten Zufallsgenerators sind die 72 Unikate der jüngsten
Edition des Künstlers 'Strips' entstanden, deren Streifenkompositionen sich einem hochkomplexen
Verfahren von Extraktion und Spiegelung eines Gemäldes des Künstlers verdanken.
Im Zusammenhang mit den Gemälden sind schließlich
auch die acht Skizzen zu Parkstück zu sehen. Es
handelt sich um abstrakte Studien in Öl auf Papier zu
den Parklandschaften, die Richter 1971 gemalt hat.
Obwohl gänzlich abstrakt gehalten, lassen
Farbauswahl und Farbverteilung auf den Blättern das
Landschaftsmotiv noch erahnen. Es handelt sich um
gänzlich autonome Blätter, die hier nicht als Serie,
sondern als Variation zum Thema der abstrakten
Landschaften präsentiert werden.
Alle genannten Serien sind in der Ausstellung mit mehreren Exemplaren vertreten und ermöglichen
einen vergleichenden Blick auf die ästhetische Wechselwirkung der jeweiligen konstanten und
variablen Elemente.
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