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Thomas Rentmeister 'Der Staatsanwalt' (ScheiblerMitte)    Feb 6 - Apr 1, 2010


Eröffnung: 05. Februar 2010, 18 - 21 h

Thomas Rentmeister ist bekannt für seine großformatigen Polyesterplastiken und die Verwendung von vorgefertigten Markenprodukten, wie Tempotaschentüchern, Penatencreme und Nutella in riesigen Dimensionen und ungewöhnlichen Zusammenhängen. Wie aber würde es aussehen, wenn Thomas Rentmeister anfinge zu malen? Einen Eindruck davon vermitteln einige seiner neuen Arbeiten. Selbstverständlich sind die Naturholzkästen weit von der klassischen Technik entfernt, Farbe auf eine Leinwand aufzutragen. Und dennoch erkennt man in ihnen Kompositionsprinzipien der abstrakten Malerei wieder, wie sie von Kandinsky oder Schwitters formuliert und verwendet wurden.

Auch Rentmeisters Arbeiten basieren auf geometrischen, vereinfachten Formen, die sich über die Fläche ausbreiten und Akzente setzen. Ergänzend schlängeln sich Linien über die Bildfläche, durchkreuzen den Bildraum in einer angedeuteten Diagonale oder bauen eine Spannung zwischen den einzelnen Elementen auf. Zusätzlich zu diesen kompositorischen Aspekten haben die Werke eine weitere Dimension: Sie bestehen aus bereits vorgefertigten Formen, aus Gebrauchsgütern des alltäglichen Lebens, die eine mehr oder weniger zufällige Anordnung erfahren haben. Tritt man nah an die Arbeiten heran, erkennt man dort Ohrenstäbchen, Wattebäusche, Tampons oder Zuckerwürfel, die mit gelbem Pattex verklebt sind. Sie fügen sich zu Kreisläufen zusammen, die an Experimente erinnern. Vorherrschend ist die Farbe Weiß, die Verbindungen zu medizinischen Räumen und somit zu Körperlichkeit und Ausscheidungen aufruft, die auch den verwendeten Hygieneprodukten immanent sind. Durch die gelbe Farbe und Konsistenz des Pattex - Klebers steigert sich diese Assoziation bis zum Auslösen eines Ekelgefühls. Die psychologische Komponente des Materials ergibt, in Kombination mit der Assoziation einer Versuchsanordnungen und der Wahrnehmung der Arbeiten als Bilder oder Collagen, ein verwirrendes Spiel mit bewusster und unbewusster Kognition, dem sich der Betrachter nicht entziehen kann. Obwohl klar ist, dass die einzelnen Objekte keine wirkliche Funktion erfüllen können, scheinen sie sich zu einem sinnentleerten Scheinsystem zu formieren, in dem Ordnung und Zufall Hand in Hand gehen.

Die Integration von festgeschriebenen Konnotationen und die ironische Sinnentleerung prägen Thomas Rentmeisters Oeuvre und auch seine neueste Arbeit „Der Staatsanwalt“. Bei ScheiblerMitte wird sie jetzt zum ersten Mal zu sehen sein. Sie spielt mit der Form eines überdimensionierten Regenschirm-Ständers, der aussieht wie ein stählerner Regenschirm, der reduziert auf sein minimalistisches Gerüst seiner Funktionalität beraubt wurde und zur reinen Form erstarrt. An den Ecken hängen zapfenartige, mit weißer Wolle umhäkelte Formen. Die Schwere des Materials und die Größe der Plastik werden durch die Profanität des dargestellten Produkts und dessen konnotierte Leichtigkeit ironisch gebrochen.

„Der Staatsanwalt“ ist Thomas Rentmeisters erste Einzelausstellung in einer Galerie in Berlin. Bei ScheiblerMitte werden in einem fantastischen Querschnitt die verschiedenen Ansätze von Thomas Rentmeisters bildhauerischem Schaffen gezeigt. Ergänzt durch die neuesten Entwicklungen seiner Arbeit und durch seine Entwurfsskizzen, gewährt diese Ausstellung einen einzigartigen Einblick in die experimentelle Arbeitsweise, die Thomas Rentmeisters Kunst zugrunde liegt.

Rentmeisters Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt (u. a. im Centraal Museum in Utrecht, im Haus am Waldsee und im Hamburger Bahnhof in Berlin) und befinden sich u.a. in den Sammlungen des Kunstmuseums Bonn, des MARTa Herford Museums und des Museums Boijmans van Beuningen. Er ist Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

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