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Expressionisten II    Jan 15 - Dec 3, 2011

Vase mit Blumen
Emil Nolde
Vase mit Blumen, 1915
 
Lesende
Erich Heckel
Lesende, 1913
 
 
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Expressionisten II
Heckel, Jawlensky, Kirchner, Mueller, Nolde, Pechstein, Schmidt-Rottluff und Zeitgenossen
vom 15. Januar bis 3. Dezember 2011

Glühende Farben, kräftige Formen, schwungvolle Linien – auch die zweite grosse Expressionisten Ausstellung in der Galerie Henze & Ketterer macht deutlich, dass die Galerie in Wichtrach zu den unumstrittenen Spezialisten auf dem Gebiet des Expressionismus und der „Brücke“ zählt.

Durch Steigerung und Deformation der Realität und Verselbständigung der künstlerischen Mittel erreichten die Expressionisten eine Ausdruckserhöhung, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Dies zeigen ausgestellte Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik von George Grosz, Erich Heckel, Karl Hofer, Alexej Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff und Zeitgenossen. Intensive Farben, wilde Formen und expressive Gebärden lassen Landschaften, Akte, Porträts und selbst Stilleben zu aufregenden Erlebnissen werden.

Ein besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf die Kunst der Zeichnung und Radierung. Mit wenigen, gestisch-schwungvollen Linien erfassten die Expressionisten das Wesen des Dargestellten. So entstanden eindrucksvolle Portraits, bizarre Landschaften und ausdrucksvolle Aktdarstellungen. Hochkarätige Gemälde der bedeutendsten Expressionisten sind im Erdgeschoss zu erleben.

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Expressionisten II - Heckel, Jawlensky, Kirchner, Mueller, Nolde, Pechstein, Schmidt-Rottluff und Zeitgenossen
Der Expressionismus im derzeitigen Kunstbetrieb

Auf die zahlreichen „Brücke“-Ausstellungen in öffentlichen Instituten ganz Europas zum hundertsten Jahrestag der Gründung dieser in jeder Hinsicht bemerkenswerten Künstlergruppe 2005 folgte eine Reihe von Einzelausstellungen zu diesen Künstlern oder zu besonderen Phänomenen ihrer Kunst. So wurden 2010 umfangreiche Ausstellungen zu Erich Heckel in Emden, Schleswig und Berlin, zu Ernst Ludwig Kirchner in Biberach, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Salzburg, zu Max Pechstein in Kiel (später in Regensburg und Ahlen) und zu Karl Schmidt-Rottluff in Berlin und Saarbrücken gezeigt, um nur den engeren Kreis zu erwähnen. Der „Kulturfonds Frankfurt Rheinmain“ realisierte ein spartenübergreifendes Grossvorhaben zum „Phänomen Expressionismus“ in vierzehn Kultureinrichtungen, darunter „Gesamtkunstwerk Expressionismus“ auf der Mathildenhöhe in Darmstadt und die Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel.

Letztere erregte besonderes Aufsehen einmal durch die Entdeckung eines zuvor unbekannten doppelseitig bemalten Gemäldes von Kirchner und zum Anderen durch das Hochkochen der Missbrauchsfrage bezüglich der sehr jungen Modelle der „Brücke“-Künstler. Hervorgerufen wurde dies durch die allgemeine heftige Diskussion dieser Thematik zu Beginn des Jahres bedingt durch Vorfälle in Kirche und Schule. Der Zufall wollte es, dass im Herbst im Sprengel Museum Hannover eine seit vielen Jahren vorbereitete Spezialausstellung zu den jungen Modellen der „Brücke“, Fränzi und Marcella, gezeigt wurde. Die Maler und ihre Modelle standen und mit diesen die Frage nach der Freiheit der Kunst nach hundert Jahren nochmals im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit.

Eckpfeiler des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns, der vier Aufgaben des Museums, für den Expressionismus sind vor allem das Brücke-Museum in Berlin durch Magdalena M. Moeller und dann die monographischen Museen wie die Nolde-Stiftung in Seebüll mit Manfred Reuter oder das Kirchner Museum Davos mit Karin Schick.

In welch komplexen und komplizierten, bisweilen sogar schwer erträglichen auch menschlichen Zusammenhängen dann doch grosse Kunst geschaffen wird, ist auch der Gesamtausgabe des Briefwechsels von Ernst Ludwig Kirchner zu entnehmen, 2010 in vier Bänden erschienen. Wie wesentlich umgekehrt die dennoch möglichen Sammlerfreundschaften für die Künstler sind, ist dem 2010 neu herausgegebenen Briefwechsel Eberhard Grisebachs mit seinen Malerfreunden Amiet, Kirchner, Hodler, Munch u. a. zu entnehmen. Den umfangreichen Briefwechsel schenkte die Familie Grisebach in diesem Jahr dem Kirchner Museum Davos. Ähnliche Einblicke verbunden mit jeweils dazu geschaffenen Werken gibt das ebenfalls in diesem Jahr vorgelegte umfangreiche Werkverzeichnis der Zeichnungen auf Postkarten von Karl Schmidt-Rottluff. Im fortgeschrittenen Stadium ihrer Bearbeitung sind die neuen Werkverzeichnisse der Gemälde von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Eigentlich noch in diesem Jahr hätte das – erste - Werkverzeichnis der Gemälde von Max Pechstein erscheinen sollen. Ein Skandal trug mit zur Verzögerung bei.

Hierbei handelt es sich um den Fälschungsfall der sog. Sammlung Werner Jägers, Köln. Seit 1995 gelang es zwei gewitzten Damen, eine ganze Reihe von sehr gut gemachten Gemäldefälschungen der deutschen und französischen klassischen Moderne in den deutschen und französischen Handel zu schleusen. Als sich im Frühjahr 2010 die Zweifel verdichteten konnte sehr rasch festgestellt werden, dass es die vorgebliche Sammlung nie gegeben hatte. Auf dieser sicheren Basis konnten dann sehr rasch wohl alle Fälschungen aus dieser Quelle identifiziert werden, so dass die Verunsicherung auf dem Kunstmarkt in diesem Bereich auf ein Minimum reduziert werden konnte. Obwohl sich diese Fälschungen im mittel- bis hochpreisigen Segment erfolgreich bewegten, ist Alarmismus und Ruf nach neuen Vorschriften etc. nicht angezeigt: Wenn alle bisher üblichen im Kunstbetrieb angewandten Vorsichtsmassnahmen beim Umgang mit diesen Fälschungen angewandt worden wären, dann hätte es diesen Fall so und in diesem Umfang nicht gegeben. Die eigentlichen Verbrecher, die Hersteller der Fälschungen und die wissenden Erstverkäufer wären möglicherweise bereits 1995 gestoppt worden.

Im Kunsthandel spielt der Expressionismus und allgemein die klassische Moderne eine eher noch wachsende Rolle. Das ist daraus ersichtlich, dass sich immer mehr und immer kleinere Auktionshäuser um dieses Gebiet bemühen. Der Markt- und Kunst-pflegende sowie beruhigend- ausgleichende Handel hält, vor allem im deutschsprachigen Raum, mit dem hektischen und daher unsicheren Auktionsmarkt kaum Schritt. Aber noch immer ist es möglich, wenn auch mit sehr viel Geld, ausgezeichnete Expressionismus-Sammlungen zusammenzustellen. Dies kann vor allem dann gelingen, wenn die Sammlung sich auf ein bestimmtes Thema, ein bestimmtes Gebiet oder eine bestimmte Technik konzentriert, z. B. „Die Frau in der Moderne“, „Das Stilleben“, „Der Holzschnitt“, „Die Neue Secession in Berlin“ etc. In solchen Fällen ist besonders der beratende und suchende Handel gefragt. Aber selbst in der jüngeren und in der Kunst der Gegenwart engagierte bedeutende Galerien greifen in Programmerweiterungen auf die immer noch nicht ganz Geschichte gewordenen Positionen des Expressionismus zurück, so in den vergangenen Jahren die Galerie Werner in Köln, Berlin und New York mit Ausstellungen zur Zeichnung und zum Spätwerk von Ernst Ludwig Kirchner.

Im Bereich Expressionismus ergeben sich selbstverständlich eine ganze Reihe von Problemen, die gelöst werden müssen oder, falls dieses nicht möglich ist, zumindest ausführlich zu diskutieren sind. Hierzu gehören neben den oben erwähnten Fragen der Moral oder der Fälschungen auch die Fragen der Provenienz-Forschung und Restitution und des Umgangs mit diesen ganzen Komplexen in den Medien. Weil bis 1933 gerade der Expressionismus von verhältnismässig zahlreichen Sammlern und Händlern aus Familien jüdischen Glaubens oder ehemals jüdischen Glaubens gesammelt und gehandelt wurde, scheint die Restitutionsproblematik gerade in diesem Bereich besonders oft auf. Wir sind der Meinung, dass man solche Fragen von Fall zu Fall erforschen, diskutieren und klären sollte. Dies behutsame Vorgehen ist jedoch schwierig geworden in diesen Jahren, in denen sich Jüngere einem moralisierenden Korrigieren historischer Ereignisse mit Verve verschreiben, von denen sie nicht einmal die Nachwirkungen erlebt haben, und das auch erst dann, wenn sie sicher sind, dass es keine Zeitzeugen mehr gibt. Besonders geschieht solches, wenn man mit dem Eigentum anderer umgeht. (So z. B. auch beim Thema Folgerecht.) Um aber nur ein Beispiel zu erwähnen: Paul Klees „Sumpflegende“, ehemals Küppers/Lissitzky Hannover, müsste das Städtische Museum München selbstverständlich sofort zurückgeben, ein klarer Fall, wohingegen viele andere Rückgaben von Museen oft weniger sachlich begründet waren, als vielmehr politischem Kalkül oder einem generellen moralisch begründeten Rückgabewillen geschuldet sind.

Diesen Problemen und Fragen haben wir uns nie verschlossen und wir stellen uns diesen jeden Tag und auch hier, auch wenn Teile der Medien da anderer Meinung sind und – uns teilweise durchaus mit Erfolg diffamierend – die Geschichte unseres Hauses tendenziös darstellen, vor allem die frühe Geschichte des Stuttgarter Kunstkabinettes von Roman Norbert Ketterer, dessen 100. Geburtstag wir am 6. Februar 2011 im vom ihm begründeten und gestifteten Kirchner Museum in Davos dennoch unbeschwert feiern dürfen und werden.

Unsere zweite grosse Expressionisten-Ausstellung im Erdgeschoss und Untergeschoss unseres Galeriegebäudes wird sich im Bereich der Arbeiten auf Papier neben Aquarellen und Farbzeichnungen besonders der Technik der Zeichnung und der mit dieser nahe verwandten Technik der Radierung widmen. Im Erdgeschoss präsentieren wir Ihnen wieder eine Auswahl hochkarätiger Gemälde des Expressionismus. Im Kunst-Depot und im Obergeschoss des Galeriegebäudes zeigen wir gleichzeitig das Werk des jungen italienischen Künstlers Giovanni Manfredini.

Ingeborg Henze-Ketterer und Wolfgang Henze

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