Stadt – Land – Fluss
Die Landschaft vom Expressionismus bis heute
Verlängerung der Ausstellung bis 23. Februar 2013
Bargheer, Baselitz, Eble, Felixmüller, Heckel, Kirchner, Klümpen,
Manfredini, Mueller, Münter, Nolde, Panayotidis, Pechstein,
Peiffer Watenphul, Purrmann, Rohlfs, Schmidt-Rottluff, Spoerri, Zimmer
Kuratorin: Andrea Schmidt
Stadt – Land – Fluss. Ein Kinderspiel und doch die
Herausforderung der heutigen Gesellschaft. Unsere Umwelt, die
Landschaft, die uns umgibt, die uns ernährt und ohne die unser
Leben nicht möglich wäre, ist gefährdet. Besser gesagt nicht
unsere Umwelt ist bedroht, sondern vielmehr unser Leben in ihr.
Die Unterwerfung der Landschaft, der Umwelt, der Naturkräfte
hat eine lange abendländische Tradition. Ob der biblische
Imperativ der Genesis „Mache Dir die Erde untertan“ die Ursache
hierfür ist oder einfach nur der Egoismus jedes Einzelnen, sei
dahingestellt.
Auch in der Kunst hat die Unterwerfung der Natur, der
Landschaft, eine lange Tradition, sowohl in der Gartenkunst wie
in der Malerei. Pompejanische Villen waren mit Wandmalereien
blühender geometrisch geordneter Gartenillusionen ausgestattet.
Eine Illusion, die sich noch heute in manchen Fotowänden mit
Wald- oder Strandmotiven fortsetzt. Die Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben im Landschaftsraum wird in
beiden künstlich konstruierten Innenräumen deutlich. Der Gegenentwurf zur Zerstörung des Lebensraumes
ist noch immer die Sehnsucht nach dem Paradies. Doch bei aller Schönheit kann auch ein Aufenthalt an
südlichen Stränden oder in der Einsamkeit der Bergwelt diese Sehnsucht nicht stillen. Eine Sehnsucht, die
auch das idealste Landschaftsgemälde nicht erfüllen kann.
Im Barock zählte die Landschaftsmalerei zu den niederen Gattungen, da in ihr keine historisch oder
literarisch erzählte Geschichte dargestellt wurde. Dennoch war sie keine blosse Abbildung der äusseren
Realität, sondern zeigte stets ein konstruiertes Landschaftsideal. Dieses Ideal wandelte sich erst im 19.
Jahrhundert mit den späten Landschaftsdarstellungen William Turners, in denen sich das Sujet in eine
atmosphärische Wiedergabe von Licht und Farbe auflöste. Auch die Pleinairmalerei der Impressionisten
versuchte weniger die Landschaft, sondern vielmehr die
Lichtreflexe auf der Netzhaut wiederzugeben.
Die Expressionisten hingegen lehnten eine solche Wiedergabe
der flüchtigen Sinneseindrücke ab. Sie wollten vielmehr durch
Steigerung von Farbe und Form ihr Innerstes zum Ausdruck
bringen. Die Künstler der 1905 gegründeten „Brücke“, Kirchner,
Heckel, Schmidt-Rottluff und Pechstein, nutzten gerade die
Landschaftsmalerei zur Darstellung ihrer inneren Verfasstheit.
An den Moritzburger Teichen entstanden zudem Inszenierungen
einer paradiesisch unentfremdeten Einheit von Mensch und
Natur. Wild und ungebärdig wollten sie sein und sich so in freier
Natur bewegen und darstellen. Doch schon bald, 1913, brach
das Idyll der Gruppe auseinander, kurz bevor ein viel
bedrohlicheres Ereignis nicht nur die künstlerische
Wahrnehmung der „Brücke“-Künstler auseinanderdriften liess.
Die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges führten bei
Ernst Ludwig Kirchner zum totalen nervlichen
Zusammenbruch, nach dem er sich im schweizerischen
Davos wieder fand. Hier wurde das Berg- und Alpenleben
sein zentrales Thema, aus dem er auch seinen flächigen
„Neuen Stil“ entwickelte. Trotz der Abgeschiedenheit der
Schweizer Bergwelt gelang es Kirchner, parallel zur
internationalen Entwicklung der Kunst, seinen eigenen Weg
zwischen Abstraktion und Figuration zu finden. Das fast
surreale, traumwandlerische Gemälde „Nächtliche
Phantasielandschaft“ von 1930-32 ist hierfür ein ebensolches
Beispiel wie seine späte „Szene aus dem
Sommernachtstraum“ von 1937.
Mit Lust am expressiven Gestalten hielt dagegen der
ehemalige Bauhausschüler Max Peiffer Watenphul auf einer
Reise durch Mexiko 1924 die Eindrücke des
südamerikanischen Landes in farbenfrohen Stadt- und
Strassenansichten fest. Auch bei späteren Italienreisen
bewahrte sich Peiffer Watenphul sein Einfühlungsvermögen
in die Stimmung des jeweiligen Ortes, ebenso wie seine
poetische Naivität des Blicks. Italien wurde für Peiffer
Watenphul ebenso wie für Eduard Bargheer und Hans
Purrmann nach 1933 Zuflucht und Exil. Während aber
Purrmann und Peiffer Watenphul in ihren Bildern auch nach
1945 ein antikisch idealisiertes Italien feiern, überführte
Bargheer seine lichtdurchfluteten Landschaftsansichten in
kristalline Gitterstrukturen an die Grenze zur Abstraktion.
Nach den unfassbaren Schrecken des Nationalsozialismus und des
Zweiten Weltkrieges war eine ungebrochene Darstellung der
Landschaft nur noch schwer möglich. Dennoch spielt die Landschaft
gerade in der zeitgenössischen Kunst eine zentrale Rolle. Allerdings
erscheint sie heute zumeist ironisch gebrochen, verfremdet oder
fragmentiert. So nutzt Daniel Spoerri gemalte Landschaften des 19.
Jahrhunderts als Ausgangsmaterial für seine morbid skurrilen
Assemblagen. Nakis Panayotidis versinnlicht Zerfall und Zerstörung
durch die Kombination von fotografierten Industrieruinen mit Blei und
Neon. Und während Robert Klümpen ganz bewusst Unorte, wie
Bahnunterführungen, abgestellte Wohnwagen und Müllcontainer, als
Motiv seiner Malerei wählt, sind es bei Giovanni Manfredini
verschattete Monde in fernen Galaxien.
Eröffnung: Samstag 25. August 2012 14-18 Uhr
Ausstellung: 25. August bis 23. Februar 2013
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-12 und 14-18 Uhr, Sa. 10-16 Uhr
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