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Play it again, Sam     Sep 22, 2012 - Jan 5, 2013

Ausstellungsansicht “Play it again, Sam” (2012)<br>re: Peter Wegner, Buildings Made of Sky I, 2007
Ausstellungsansicht “Play it again, Sam” (2012)
re: Peter Wegner, Buildings Made of Sky I, 2007
, 2012-2013
 
  
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Play it again, Sam
22. September 2012 - 5. Januar 2013

Evelina Cajacob | Lucinda Devlin | Thomas Florschuetz | Norbert Frensch
Kuno Gonschior | Caroline von Grone | Evelyn Hofer | Lee Ufan
Melanie Manchot | Bruce Nauman | Simone Nieweg | François Perrodin
Alfredo Álvarez Plágaro | Arnulf Rainer | Peter Wegner

Vom 22. September 2012 bis 5. Januar 2013 zeigt die Galerie m Bochum die Ausstellung „Play it again, Sam“. Zu sehen sind rund 20 Werke aus Malerei, Fotografie, Objekt- und Videokunst, die sich in unterschiedlicher Weise mit Wiederholung beschäftigen.

Wiederholung ist ein sehr offener Begriff und kann sowohl das Bezugnehmen auf ein Vorbild im Sinne einer Kopie, als auch ein hierarchieloses Nebeneinander gleicher Dinge bedeuten. Beides findet sich paradigmatisch in der gezeigten Druckgraphik von Bruce Nauman. Das Motiv der ineinander greifenden Hände, das auf der zugrunde liegenden Druckplatte eingearbeitet ist, setzt der Künstler drucktechnisch zu einem Kreis zusammen. Die spielerische Anordnung zu einem endlosen Zyklus zeichnet sich durch ein gleichwertiges Nebeneinander aus, das keinen Anfang erkennen lässt.
Die identische Wiederholung ist eher ein menschliches Ideal als ein natürliches Phänomen. Die Massenproduktion zielt darauf ab, und die Medien Fotografie und Film faszinieren durch die technische Reproduzierbarkeit ihrer Bilder. Seit jeher findet der Mensch Wohlgefallen an identischen Elementen, die in zeitlicher oder räumlicher Abfolge einen Rhythmus bilden – seien es Säulenordnungen oder Ornamente in der Architektur, der Refrain in der Musik oder die Anapher in der Lyrik.
In den meisten Fällen begegnet man jedoch variierenden Wiederholungen innerhalb eines abgesteckten Rahmens, der einen gewissen Spielraum erlaubt und die Zusammengehörigkeit erkennen lässt. Auf dieser Form von Wiederholung basiert das natürliche Prinzip der Evolution. In der Natur ist Wiederholung in den Jahreszeiten, den Lebenszyklen, Gattungen und Arten allgegenwärtig.
Wiederholung beeinflusst essentiell die Wahrnehmung und den Alltag. Der Ausstellungstitel, eines der prominentesten Falschzitate der Filmgeschichte aus „Casablanca“, offenbart die Macht der Wiederholung, die eine neue Wirklichkeit fernab vom Faktischen entwickeln kann. In ähnlicher Weise sensibilisieren Peter Wegners Buildings Made of Sky die alltägliche Wahrnehmung nachhaltig für ein verborgenes Bild der Wirklichkeit.
Künstler gehen mit den Erfahrungen und Möglichkeiten von Wiederholung sehr vielfältig um. Grundsätzlich zeichnet sich die Wiederholung als ästhetisches Prinzip dadurch aus, dass sich in ihr eine Spannung zwischen Repetition und Variation entfaltet. Die interessante Frage ist die nach der Art und Weise, wie dieses Spannungsverhältnis jeweils realisiert wird.
Als Wiederholung in der Kunst spielt seit Beginn der Moderne die Serie eine Rolle. Künstlern wie Claude Monet oder Paul Cézanne wurde die Unfassbarkeit natürlicher Vielfalt und Wandelbarkeit bewusst, die sich nicht mehr im Einzelwerk, sondern in einem ganzen Werkkomplex des gleichen Bildthemas adäquat fassen ließ. Die Notwendigkeit der Serie aus der Anschauung der Natur heraus hat bis heute Bestand, das zeigen die Werke von Caroline von Grone und Lucinda Devlin. In Devlins Lake Pictures entwickelt sich Bild für Bild die unerschöpfliche Erscheinungsvielfalt des Lake Huron.
In der Malerei kann es ein grundlegendes Gestaltungsprinzip sein, das zu einer Vielfalt an Bildlösungen führt. Dies ist bei Kuno Gonschiors Werken der Fall. Je nach Farbe fordern seine Werke zu feinfühligem Sehen auf oder überfordern das Auge so sehr, dass die einzelnen Punkte zu vibrieren beginnen. François Perrodin variiert die Größe, Farbe und Anordnung von Rechtecken und erzeugt dadurch eine spielerisch-tänzerische Rhythmik.
In der Malerei bleibt jedes Bild individuell gefertigt, selbst wenn es das gleiche Motiv zeigt oder demselben Gestaltungsprinzip folgt. Eine Serienproduktion im Sinne identischer Kopien ist der Malerei daher im Prinzip zuwider. Mit eben diesem Aspekt spielen Alfredo Álvarez Plágaros Identical Paintings, die zwar auf den ersten Blick identisch scheinen, sich im Detail doch als sehr unterschiedlich erweisen. Die gleichzeitige Entwicklung aller Einzelteile führt zu einem hierarchielosen Nebeneinander.
Die Papierarbeiten von Lee Ufan zeigen eine stetige Wiederholung von einfachen Zeichen. Die individuelle Ausführung der auf ein Minimum reduzierten Geste steht im Vordergrund.
Mit der Erfindung des Negativ-Positiv-Verfahrens schuf William Henry Fox Talbot in den 1830er Jahren die Voraussetzung für die Herstellung identischer Abzüge in beliebiger Anzahl. Schon allein diesem technischen Prozess ist Wiederholung eigen. Darüber hinaus haben Fotografen seit jeher in Serien gearbeitet. Immer entwickelt sich der Charakter einer Serie aus konstanten und variablen Merkmalen ihrer einzelnen Bilder. Thomas Florschuetz variiert die Perspektive auf ein bestimmtes Bauwerk und betont damit genuin architektonische Aspekte: Die verschiedenen Blickwinkel zeigen Durchblicke und Räume als monumentale Fragmente des Baukörpers, die sich mit der Bewegung des Betrachters öffnen oder schließen.
Über mediale Aspekte des Seriellen hinaus zeigen Künstler auch inhaltlich verschiedenste Phänomene der Wiederholung innerhalb der Natur und des menschlichen Lebens.
In Simone Niewegs Fotografien der Kulturlandschaft spielen der Rhythmus der Jahreszeiten, die Vielfalt, Individualität und Kategorisierung der Pflanzen, sowie die ständige Erneuerung des immer Gleichen eine Rolle. Nicht zuletzt sind der vom Menschen durchwirkten Natur – Feldpflanzungen, Gemüsebeeten und Wäldern – auch visuell Aspekte der Wiederholung eigen.
Unser Alltag ist auf erstaunliche Weise geprägt von Wiederholung, denn das menschliche Gehirn neigt zu Gewohnheiten. Nur so können wir uns gedanklich wichtigen Dingen widmen, während bestimmte Handlungen automatisch ablaufen. Insofern haben Gewohnheiten teilweise einen nahezu meditativen Charakter. Evelina Cajacobs Videoinstallation HandArbeit macht das erfahrbar und auch Melanie Manchots Bowls versprühen in ihrer asketischen Ästhetik eine Atmosphäre von Konzentration und Ruhe. Sie sind Resultat eines körperlichen Rituals: der Oberkörper eines Mannes wird von einem Barbier rasiert, das Rasiermesser in der Schale ausgewaschen.
Das menschliche Bedürfnis nach Wiederholung zeigt sich auch in Form von Gedenktagen, Ritualen und Bräuchen. Texte, Bilder und Riten aus jahrhundertelanger Tradition prägen als kulturelles Gedächtnis unser Bewusstsein und unser Weltbild über Generationen hinweg. Dementsprechend hat die Kirche in der christlichen Religion die zentrale Aufgabe, den Tod und die Auferstehung Christi unter den sich wechselnden Bedingungen der jeweiligen Zeit immer wieder zu bezeugen. Arnulf Rainer findet mit seinem künstlerischen Ritual der Kreuzübermalung einen eigenen Weg im Umgang mit christlicher Tradition und Symbolik.
In „Casablanca“ bittet Ilsa Sam, das Lied „As Time Goes By“ zu spielen, in nostalgisch-wehmütiger Erinnerung an ihre Liebesaffäre mit Rick. „Play it, Sam“ kann auch auf amüsante Weise zusammen gedacht werden mit Evelyn Hofers Serie Just Married. In der seriellen Anschaulichkeit frisch vermählter Paare bekommt das über Generationen hinweg zelebrierte Ritual der Hochzeit eine eigentümliche Ambivalenz zwischen immergleicher Wiederholung als gesellschaftlicher Brauch und absoluter Einzigartigkeit in jeder persönlichen Lebensgeschichte.

Letztlich, um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen, „bleibt alles anders.“

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