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Haig Aivazian: Fugere (Hamburg)    Nov 1, 2013 - Jan 5, 2014

At every sunset, I think of you. Not because of some sense of beauty, but simply because I become a
Haig Aivazian
At every sunset, I think of you. Not because of some sense of beauty, but simply because I become a
 
Exhibition view
Haig Aivazian
Exhibition view, 2013
 
 
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Opening Friday, November 1st from 6 - 9pm

HAMBURG - Haig Aivazian (b. 1980, Beirut, Lebanon) is an artist, curator and writer. Using performance, video, drawing, installation and sculpture, his work weaves together personal and geo-political, micro and macro narratives in its search for ideological loopholes and short circuits. Aivazian holds an MFA from Northwestern University and is a Skowhegan alumni (2011). His work has been exhibited in Europe, the Americas and the Middle East including the Sharjah Biennial 9 (2009) and Videobrasil (2013).

For this exhibition, Aivazian presents new sculptures, drawings and videos from his ongoing series Fugere, where the artist layers various histories of violence: from a highly televised rebuttal in response to racist insults on the pitch, to the occupation of inner-city neighbourhoods by police; and from the ascension onto an Olympic podium in the first post Soviet Games, to the weight of a dictator’s body as the trap door is released under his feet. History is not just entangled in sports, but also treated like a match, with freeze frames, replays and reverse angles. Here, the notion of time is malleable: the decades separating the release of two models of coveted basketball sneakers can be condensed into a frantic instant where two shoes are hurriedly thrown at an occupying president. These captured moments mark points of analysis that activate the spectator and hero alike, bringing the previously anonymous to the fore and making intimate the distant landscapes of spectacle often utilized in both the political and sports arenas. These arenas serve as a theater – a space where desires, violence, escapism, and the human condition are endlessly played out without the pretense of imaginary consequences. This landscape is where the works take their evocative form, revealing fleeting lapses in the standard perception of events and forming new investigative relationships.

Oversize charcoal drawings of stadium lights intensify the eerie charge of the unknown and the latent in night, sport and surveillance. In an Iteration of the ongoing video project How Great You Are O Son of the Desert! the infamous headbutt of Zinedine Zidane of the Italian defender Marco Materazzi in the World Cup final in 2006 becomes a time portal into systemic social transgression, class warfare, and violence across histories both intimate and regional. Parting Kisses, presents a set of hand crafted bronze sculptures of petrified historical gestures, monumentalized and reduced. Icons of the conquered and conquering come together, blurring the notions of the heroic and finally the arena itself.

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HAMBURG –Haig Aivazian (geb. 1980 in Beirut, Lebanon) ist Künstler, Kurator und Autor. Er arbeitet in verschiedenen Medien, wie Performance, Video, Zeichnung, Installation und Skulptur. In seinen Werken, verbindet er persönliche sowie geo- und sozio-politische Narrative, immer auf der Suche nach ideologischen Schlupflöchern oder Kurzschlüssen.

In der Ausstellung Fugere zeigt Aivazian Skulpturen, Zeichnungen und Videos aus seinem gleichnamigen laufenden Projekt. Thematisch kreist es um die Untersuchung verschiedener Ebenen von Gewalt, insbesondere deren mediale Vermittlung. Diese reichen von unzähligen im Fernsehen dokumentierter rassistischer Übergriffe in Sportarenen bis zur Besetzung prekärer Stadtviertel durch die Polizei, vom Besteigen des olympischen Siegerpodests während der ersten Olympiade nach dem Zerfall der UDSSR bis zu den Bildern der Hinrichtung eines Diktators unter dessen Füßen sich die Falltür öffnet. Geschichte, Politik und Sport sind nicht nur ineinander verstrickt, sie werden in gleicher Weise medial vermittelt, nämlich als Wettkampf mit Standbildern sowie Wiederholungen und Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln.

In seinem auf Wiederholung basierenden Videoprojekt How Great You Are O Son of the Desert!, analysiert Aivazian den x-fach durch die Medien geisternden Moment eines Sportereignisses: Der berühmt-berüchtigte Kopfstoß Zinedine Zidanes gegen den italienischen Abwehrspieler Marco Materazzi im Weltmeisterschaftsfinale von 2006. In der Kombination von Fernsehbildern, grafischen, piktogrammartigen Bildelementen und Texten öffnet Aivazian den Blick auf den politischen Raum des Ereignises - auf soziale Überschreitungen, Klassenkampf und Gewalt.

In übergroßen Kolhlezeichnungen von Flutlichtern nächtlicher Stadien rührt Aivazian an unser kollektives Gedächtnis. Die Zeichnungen spielen auf unbehagliche, unheimliche Kontexte an, indem sie Sport, Überwachung und Gefangensein assoziieren.

Die Werkgruppe Parting Kisses besteht aus kleinen Bronzeskulpturen auf würfelförmigen Sockeln mit einer Gedenkplakette. Historische Aktionen oder Gesten, wie die des als “Schuhwerfer von Beirut” bekanntgewordenen Journalisten, werden hier in Bronze gegossen und gleichermaßen monumentalisiert wie reduziert. Anders als im “fruchtbaren Augenblick”, dem Moment höchster Spannung im traditionellen Historienbild, bezieht sich Aivzian nicht allein auf die zeitliche Dimension eines Ereignisses, sondern auf dessen politische und soziokulturelle Facetten. Die Jahrzehnte, die zwischen dem ersten Erscheinen und der heißersehnten Wiederauflage der berühmten Air Jordan Basketballshuhe liegt, verdichten sich im Moment des verzweifelten Akts, als sie auf den Präsidenten der Besatzungsarmee geworfen werden. Ankerpunkte von Aivazians künstlerischer Arbeit sind Momentaufnahmen wie diese, die den Protagonisten wie den Zuschauer gleichermaßen betreffen. Sie rücken einen Unbekannten ins Rampenlicht und konfontieren den Zuschauer unausweichlich mit dem weit entfernt geglaubten politischen wie sportlichen Spektakel. Diese Arenen erscheinen wie Theater. Räume, in denen Sehnsüchte, Gewalt und letzlich die Conditio Humana endlos durchgespielt werden, dem Imaginären verhaftet und scheinbar ohne reale Konsequenzen. Aus diesen Räumen entwickeln die Arbeiten Aivazins ihre evokative Kraft. Sie zeigen blinde Flecken unserer Wahrnehmung und ermöglichen neue Perspektiven. Bilder von Eroberten wie Eroberern wirken zusammen und verwischen die Begriffe des Heroischen und letzlich die Schauplätze selbst.

Aivazian studierte an der Northwestern University und war 2011 Teilnehmer des Skowhegan Residency Program 2011. Er war auf Ausstellungen in Europa, Amerika und im Nahen Osten vertreten. Darunter die Videobrasil, 2013 und die Sharjah Bienale, 2009.

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