Antonio Saura
Arbeiten auf Papier und Leinwand
30. Januar 2013 - 9. März 2013
Parallel zu der umfassenden Retrospektive von Antonio Saura im Museum Wiesbaden (bis zum 7.
April 2013) zeigt die Galerie Boisserée zum vierten Mal eine Einzelausstellung des 1998
verstorbenen Malers, der nach Pablo Picasso und Antoni Tàpies zu den wichtigsten international
arrivierten spanischen Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt und dessen
Arbeiten sich in bedeutenden Sammlungen der ganzen Welt befinden (u.a. Museum of Modern
Art, New York; Centre Georges Pompidou, Paris; Stedelijk Museum, Amsterdam, Pinakothek der
Moderne, München). Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden 46 Arbeiten auf Papier unter
anderem aus den Werkgruppen "Damas", "Tête", " Le Chien de Goya", "Portrait", "Montage",
'Manière", "Autodafé" sowie eine Sammlung übermalter Postkarten aus den 1970er Jahren.
Ausgangspunkt für die künstlerische Umsetzung einer Idee auf Papier bildet Sauras Archiv, eine
Sammlung von Tausenden von Abbildungen aus Büchern, Fotos, Postkarten und Reproduktionen
von Gemälden, die Saura mit einer ungeheueren Sammelleidenschaft zusammengetragen hat.
Aus diesen Bildelementen entwickelt Saura eine Vorstellung, die er dann wiederum auf Papier
oder Karton überträgt. Einzelne Motive beschäftigen ihn über Jahre hinweg und auf diese greift er
immer wieder zurück. Er selbst nennt diesen Prozess "Wiederherstellungen. Rekonstruktionen".
Zentrales Motiv dabei ist die menschliche Figur, die durch die Malweise, einem schnellen und
expressiven Pinselstrich mit pastosem Farbauftrag, und durch die übertriebenen, karikaturhaften
Formen, auf den Betrachter ausdrucksstark und emotionsgeladen wirkt.
Zur Ausstellung werden drei neu erschienene Bücher des Künstlers vorgestellt: Das umfangreiche
Buch "Über mich selbst" enthält primär autobiographische Texte des Künstlers. Dort äußert sich
der Künstler u.a. in dem Kapitel "Damas" über das erotische Begehren als Triebkraft des Malens,
aber auch über sein künstlerisches Verhältnis zum nackten Körper und zur Aktmalerei. Die
Ausstellung steuert zu diesem Thema nicht nur zwei sehr reizvolle und frühe "Damas" als
Papierarbeiten aus den 1960er Jahren (Kat. Nr. 1 und 2) bei. sondern auch eine großformatige
Chinatusche von 1976 aus der Werkgruppe der "Sesselfrauen" (Kat. Nr. 3), denen in der
Wiesbadener Museumsausstellung ein ganzer Saal gewidmet ist. Das kleinformatige Papierarbeit
"Portrait imaginaire de Phiilippe II" von 1987 (Kat. Nr. 32). sowie die einzige Leinwand aus dem
Jahr 1996 ("Retrato 4-96", Kat. Nr. 46) zeigen imaginäre Portraits und sind Beispiele für das
reduzierte, ausdruckstarke Spätwerk der Malerei Antonio Sauras.
Die Kölner Ausstellung belegt mit repräsentativen Bildbeispielen die geniale zeichnerische
Qualität eines Künstlers, dessen Radikalität jeglichen Begriff des Schönen und Gefälligen sprengt
und der Genese von Kreativität nachspürt. Der Schock des Betrachters vor der (vermeintlichen)
Deformation weicht bei intensiver Betrachtung dem Staunen vor der Kunst Antonio Sauras. Zur
Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Alexander Klar (Museum Wiesbaden)
mit ca. 60 Seiten und ca. 50 meist farbigen Abbildungen (Euro 10), zusätzlich liegen die
Neuerscheinungen "über mich selbst", "Die Retrospektive", "Die Mauer" und "Pinocchio" in der
Galerie aus.
"Das Wichtigste für einen Künstler und vor allem für einen jungen Künstler besteht darin, sich handfest zu definieren. Wir müssen jedoch innerhalb unseres Credos wandlungsfähig sein, ebenso wandlungsfähig wie die sich überall öffnenden tausend Horizonte, wie die ringsum liegenden Gegenstände, Träume, Wünsche, wie die Natur, unser eigenes Dasein, unsere mikroskopische Sichtweise.
Wir müssen in uns selber zurückgehen, um in unseren eigenen sedimentierten Gebilden die Bilder zu finden, an die wir gewohnt sind, so dass sie sich mit denjenigen, die in uns magisch auftauchen, verschwistern, mit ihnen kommunizieren und sie ergänzen.
Es gilt, uns dahin zu wenden, wohin uns sowohl unsere reinsten als auch unsere unreinsten Wünsche treiben."
Antonio Saura
(Antonio Saura, Über sich selbst, Olivier Weber-Caflisch, Bernard Dieterle,
Archives Antonio Saura, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2012)
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Parallel zeigen wir im Studio der Galerie das vollständige Mappenwerk von
Imi Knoebel (geb. 1940 in Dessau)
"Rot, Gelb, Weiß, Blau"
mit 6 Farbsiebdrucken aus dem Jahre 1995.
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