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Vittorio Manalese: Kunst als Klang, kuratiert von Pantha du Prince    Sep 20 - Sep 29, 2011

Kunst als Klang
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An drei Abenden im September ist die Galerie Vittorio Manalese ein Ort für musikalische und soziale Versuchsanordnungen.

Kuratiert wird „Kunst als Klang“ von Hendrik Weber, bekannt als der Technoproduzent Pantha du Prince. Er hat insgesamt neun Projekte eingeladen, deren Ansätze sich nah und fern zugleich sind.

Statt auf abgesicherte Geschmackszusammenhänge, setzt „Kunst als Klang“ auf die produktive Konfrontation von Avantgarde- und Club-Musik - auf die Gleichzeitigkeit von Experiment und Euphorie, Versuch und Verführung, Materialismus und Spekulation.

„Kunst als Klang“ will keine strikten Genregrenzen ziehen, sondern leise Dissonanzen zwischen Stilen und Szenen ermöglichen. Es schwingt durchaus eine ästhetische Behauptung mit: Musik mag allgegenwärtig und allseits verfügbar sein, nichtsdestoweniger ist sie eine eigene Kunstform und will entsprechend genau wahrgenommen werden.

Die Französin Chloé etwa, als DJ weltweit gefragt, erweitert und verfeinert live ihre pleasende Techno-Kompetenz und entwickelt gemeinsam mit dem Visual Artist Transforma einen rauen Glamour. Hinter schillernden Oberflächen und eingängigen Signalen kommt dabei etwas Unheimliches und Sublimes zum Vorschein.

Obgleich methodisch vollkommen anders angelegt, fahnden auch Tobias Freund und Max Loderbauer mit dem Projekt nsi nach Fluchtlinien in den Ritzen strikter Techno-Strukturen. Ihr an analog-elektronischen Geräten real time gespielter Techno bleibt immer offen für exzentrische Abwege. Loderbauer ist zugleich Mitglied des Moritz von Oswald-Trios, das im November 2010 ein begeisterndes Konzert bei Vittorio Manalese gab.

Bei „Kunst als Klang“ präsentiert Moritz von Oswald gemeinsam mit Rashad Becker das „Single Note Project“: Von Oswald spielt eine repetitive Figur am Flügel, aus der Becker mit verschiedenen elektronischen Geräten und analogem Synthesizer Echos und Hallräume entstehen lässt. Da es sich um eine einzige Note handelt, erinnert der erzeugte Soundscape an ein verfremdetes Echolot. Der inoffizielle Arbeitstitel dieser erstmals in Berlin präsentierten Arbeit war denn auch „Music for Submarines“.

Wie der Techno/Dub-Produzent von Oswald und die Mastering-Koryphäe Becker ist auch die 1970 in Hamburg entstandene Band Faust eine eingetragene Legende. Die unverwüstlichen Miterfinder des Krautrock beeinflussen bis heute viele Musikstile. Jedes Objekt kann bei ihnen Soundquelle werden und Faust führen diesen radikaldemokratischen Ansatz gerne in einer verschrobenen Opulenz vor.

Dabei können sich semi-psychedelische Wirkungen einstellen, die sicherlich auch bei dem Auftritt des Arnold Dreyblatt Trios nicht unerwünscht sind.

Der Musiker und Komponist Dreyblatt gehört seit den siebziger Jahren zu jenen Vertretern der Minimal Music, die den Kontakt zu Rock-Ästhetiken suchen. Sein Auftritt, bei dem er einen Kontrabass streichelt und schlägt, wird begleitet von Schlagzeug und Gitarre. Durch Dreyblatts eigensinnig vorgetragene Obertöne bahnen sich Trance- und Transzendenzeffekte durch die Hintertür den Weg.

Den romantischen Spuren elektronischer Musik hingegen folgt Efdemin (Phillip Sollmann) in seiner Performance mit der Multimedia- und Designagentur Jutojo. Sollmanns improvisierte Musik begleitet die geisterhaften Bewegungen von Kleinstpartikeln, die aus einem Glaskasten heraus auf Wand projiziert werden. Die flüchtige Materialität des Klangs und die schlingernden Gebilde verweben sich zu Momenten von intensiver Schönheit.

Besondere Situationen schafft auch die junge georgische Musikerin Natalie Beridze (alias TBA). Allerdings wird ihr warm anmutender Ambient-Klang immer wieder von Störgefühlen und Stockungen aufgerieben. Beridzes sehr persönliche Musik changiert zwischen Songwriting und Abstraktion, wobei ihre Stimme oft eine distanzierte Kommentarfunktion zu haben scheint.

Zum Abschluss von „Kunst als Klang“ besteigt Pantha du Prince selbst die podestartig überhöhte Bühne in den Räumen von Vittorio Manalese. Gemeinsam mit dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen setzt er das Projekt „The Bell Laboratory“ um. Die Musik wird von sechs Musikern aufgeführt, die in eigens von Weber mit der Designerin Katie Serva entworfenen Kostümen gekleidet sind. Bei dem Auftritt kommt ein aus 49 Glocken bestehendes Carilllon zum Einsatz, das extra aus Kopenhagen antransportiert wird. Gespielt wird es vom Glöckner des Osloer Rathauses. Pantha du Prince bearbeitet die Ensemble-Musik aus Percussion und Glocken live und tut dabei – ganz der undogmatischen Grundidee dieses Minifestivals folgend – ungeahnte Klang- und Möglichkeitsräume auf.

Aram Lintzel

Aram Lintzel ist politischer Berater, freier Autor und Musikkritiker.

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