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Jonathan Horowitz 'Mrs. Carter and the Diet Cola for Men War'    Jun 21 - Aug 3, 2013


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Ausstellungseröffnung: Do, 20. Juni, 18–21 Uhr

Die Galerie Barbara Weiss freut sich, die Ausstellung Mrs. Carter and the Diet Cola for Men War des New Yorker Künstlers Jonathan Horowitz zu präsentieren. In den hier gezeigten neuen Arbeiten setzt Horowitz seine kritische Zeitgeistanalyse fort und entwickelt zugleich zentrale Themenkomplexe seines Werks weiter. In der Vergangenheit setzten sich seine konzeptuellen Video- und Fotoarbeiten mit den kulturellen und politischen Implikationen von Vegetarismus, der LGBT- und der Umweltbewegung sowie dem medial ausgefochtenen Kulturkrieg in den Vereinigten Staaten auseinander. Der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt auf der Doppelbödigkeit der öffentlich inszenierten Rivalität großer Konzerne und der sich wandelnden Identität des heutigen Konsumenten – und darauf, was passiert, wenn sich öffentliche Figuren als Markenbotschafter hergeben.

Horowitz’ Bezug auf die klassische Bildkonzeption der Popkunst wird besonders im Werkkomplex Diet Cola for Men War (306 Cans) deutlich, der sowohl an Warhols Konsumprodukt-Silkscreens als auch an die Komposition von Picassos Kriegsgemälde Guernica erinnert. 306 kleinere Leinwände, auf die jeweils eine Cola-Dose gedruckt ist, verbinden sich hier zu einem großformatigen Mosaik tautologischer Marktführerschaft. Die Rivalität von Pepsi und Coca Cola mit ihren kaum voneinander zu unterscheidenden Produkten war bereits früher ein Thema in Horowitz’ Werken. Neben den konkreten politischen Implikationen – die Farbigkeit der Softdrinks korrespondiert mit den Farben der demokratischen und der republikanischen Partei in den USA – wird diese Rivalität bei Horowitz zu einer grundsätzlichen Metapher für das ökonomische und politische System unserer Tage, in dem erklärte Feinde im Grunde beste Freunde sind, die den Markt unter sich aufteilen und sich gegenseitig vorantreiben. Die Cola-Dosen des Mosaiks stellen dabei die neuesten Kampagnen für die kalorienfreien Produkte der Softdrink-Hersteller zur Schau, die sich mit hypermaskulinen Designs explizit an Männer wenden und versuchen, die feminin gefärbten Assoziationen des Diäthaltens zu konterkarieren.

Dass Horowitz’ Arbeiten keine Konsumkritik im klassischen Sinne darstellen, wird schon daran deutlich, wie urteilsfrei der Künstler diese Designs nebeneinanderstellt. Die Arbeiten tragen dem Umstand Rechnung, dass die fiktionalisierten Aufmachungen von Konsumprodukten zu einem festen Bestandteil unserer Kultur geworden sind. Sie bilden ein eigenes Zeichensystem, das wir entziffern müssen, um bewusst und angemessen damit umzugehen. Die Cola-Dosen sind für Horowitz eine authentische Reflexion unserer Zeit, in der Fettleibigkeit zu einer Epidemie geworden ist und Geschlechterrollen fast schon karikativ übertrieben inszeniert werden.

Noch deutlicher wird diese Haltung in Mrs. Carter, dem zweiten Werkkomplex der Ausstellung, in dessen Zentrum der amerikanische Popstar Beyoncé steht, seit Beginn des Jahres die Markenbotschafterin von Pepsi. „Mrs. Carter“ ist das neueste Pseudonym, unter dem der Star auftritt. Indem er die Bilder von Pepsi-Dosen mit Beyoncés Gesichtszügen und von Coca-Cola-Dosen mit einer Eisbärfamilie nebeneinander stellt, weist Horowitz auf den ethnischen Subtext dieser Marketingkampagnen hin: Während das Bild des Eisbären von einer kulturellen Angst lebt, in die auch die Furcht weißer Amerikaner vor dem langsamen „Aussterben“ ihrer Ethnie fließt, steht die übermenschliche Figur Beyoncés für eine neue, ethnisch gemischte Weltordnung. In drei glänzenden, auf Aluminium-Honeycomb-Panelen gedruckten Stahlarbeiten vermischt Horowitz zudem die Ikonografie der Marke des Popstars mit der Ikonografie der Marke Pepsis und stellt dabei das Cyborghafte der Markeninszenierung Beyoncés heraus. Das Potential der Sängerin für die Projektionen verschiedenster Konsumenten scheint unerschöpflich. Keine andere Figur wirbt in den Vereinigten Staaten für mehr Produkte als sie. Die Universalität ihrer öffentlichen Inszenierung spricht so gut wie jede demographische Gruppe und jede Ethnie an.

Das Werk von Jonathan Horowitz lebt vom zutiefst demokratischen Glauben, dass Kunst nicht getrennt werden muss von den anderen Sphären des öffentlichen Lebens. In gewisser Hinsicht versucht er, dem Bild etwas von dem klassischen Potential zurückzugeben, das es früher einmal hatte – das Potential zu unterhalten, zu informieren und bestehenden Machtstrukturen zu bestätigen oder zu unterminieren. Die beiden Arbeiten Man und 95 Dots bilden auch daher einen fast schon körperlichen Konterpunkt in der Ausstellung: In Man ist ein gerahmtes Exemplar des Titelblatts der Kunstzeitschrift Art in America, das eine Skulptur von Joel Shapiro zeigt, an eine Wand gelehnt. Daneben ist ein stark vergrößerter Ausschnitt des Titelblatts zu sehen, auf dem ein Mann mit Kopfhörern und Arbeitsmontur hinter der Skulptur entlanggeht. 95 Dots hingegen ist ein Gemeinschaftsprojekt, für das Horowitz mehr als 95 Künstler gebeten hat, spontan und nur mithilfe von Pinsel und Farbe einen Kreis mit einer vom Künstler vorgegebenen Größe auf eine Leinwand zu malen. Die dabei entstandenen Bilder stehen in einem starken Gegensatz zu den glatten Oberflächen der Markeninszenierungen in der restlichen Ausstellung: Jedes von ihnen hat eine unterschiedliche Größe, in jedem werden die Spuren einer individuellen Handschrift deutlich.

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Opening: Thursday, June 20, 6–9 pm

Galerie Barbara Weiss is pleased to present Mrs. Carter and the Diet Cola for Men War, featuring new work by New York artist Jonathan Horowitz. Here, Horowitz continues his subtle and incisive analysis of the current zeitgeist, refining a number of recurrent themes in his body of work. While past conceptual video and photo-based works have focused on topics including the cultural and political implications of vegetarianism, the LGBT movement, environmental activism and the harsh, media-orchestrated division of the American political landscape, his new exhibition centers on the ambiguity of the publicly-staged rivalry between large corporations, celebrity endorsements and the shifting identity of the consumer today.

Horowitz’s reference to the notion of the image in Pop Art is especially prominent in his Diet Cola for Men War (306 Cans), a work reminiscent of Warhol’s silkscreens showing consumer products, though it also recalls the composition in Picasso’s monumental war painting Guernica. 306 small canvases, each emblazoned with a can of soda, form a large mosaic of tautological market leadership. The brand rivalry between Pepsi and Coca-Cola – two companies with almost indistinguishable products – has also appeared in earlier works by Horowitz. Since the brand colors of the respective soft drinks match the visual branding for the U.S. Democratic and Republican Parties, this perceived antagonism has tangible political implications. It also becomes a broader metaphor for today’s economic and politic system, one in which “enemies” are in fact best friends who share the market and propel each other forward. The cola cans in this work sport the corporations’ latest marketing campaign for their calorie-free soft drinks. In this case, the hyper-masculine look of the products is explicitly geared toward men and is supposed to dispel the femininity commonly associated with dieting.

Given the impartial juxtaposition of both designs, Horowitz’s works do not appear as anti-consumerist. Rather than follow the well-worn path of classical consumer critique, these fictionalized designs for consumer products are taken for granted as an inherent part of culture today. Consumer product marketing forms a semiotic system that we should learn to read if we are to deal with it consciously and appropriately. For Horowitz, these soda cans are an authentic reflection of a culture in which obesity has become an epidemic and gender roles are exaggerated to the point of self-caricature.

This attitude toward consumer products as cultural artifacts becomes even more evident in the second body of work exhibited in the show, where American pop star Beyoncé – under her newest moniker "Mrs. Carter" – takes center stage. The singer was named the spokesperson for Pepsi at the start of 2013. In juxtaposing Pepsi cans with the outlines of Beyoncé’s face and Coca-Cola cans displaying a family of polar bears, Horowitz alludes to the racial subtext of these designs and marketing campaigns: While the polar bear is informed by a cultural anxiety (white people’s fear of their own “extinction”), Beyoncé represents an almost superhuman figure and a new, mixed-race world order. In another work made from reflective steel on an aluminium honeycomb panel, Horowitz merges the “Beyoncé” brand iconography with that of Pepsi, and in doing so seems to suggest an almost cyborg-like quality to the pop star’s brand as displayed in public. Her potential for consumerist projections is seemingly endless. No public figure endorses more brands in the U.S. than Beyoncé. The universality of her public performance appeals to virtually every demographic and race.

The work of Jonathan Horowitz exudes the deeply democratic belief that art does not have to be separated from other spheres of public life. To some extent, the artist attempts to restore the image of some of its long-lost classical power – the power to entertain and to inform, and to affirm or undermine existing power structures. The works Man and 95 Dots form an almost corporeal counterpoint to the rest of the exhibition: In Man, a framed copy of an Art in America magazine cover showing a sculpture by Joel Shapiro leans against a wall – right next to an enlarged detail of the same magazine cover, where we see a man wearing headphones and work clothes, walking behind the large sculpture. 95 Dots, on the other hand, is a collaborative project for which Horowitz has asked 95 artists to paint an eight-inch dot onto a canvas, using nothing but paint and a brush. The individual canvases stand in stark contrast to the smooth aesthetics of consumer goods seen in the rest of the exhibition. Each of the dots is slightly different in size and shape, and carries the traces of an individual artist’s hand.

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