Linda Karshan
Measure for Measure
Eröffnung am 27. Januar 2012: 16–21 Uhr
Ausstellungsdauer: 28. I–7. IV. 2012
Öffnungszeiten: Di–Sa 11–18 Uhr
Die Galerie Niels Borch Jensen freut sich, die Ausstellung Linda Karshan - Measure for Measure anzukündigen.
Charakteristisch für die in London und Connecticut lebende Künstlerin Linda Karshan sind abstrakte Zeichnungen mit sich wiederholenden Reihen von Rechtecken. Im Laufe der Jahre hat sie ihre Technik und gleich bleibenden Repertoire an ‚Markierungen’ („marks“) weiterentwickelt und verfeinert. Der Ursprung ihrer Arbeiten ist ein besonderer Arbeitsprozess, dessen Dokumentation sie vielmehr sind als Produkt. Unabhängig von diesem Arbeitsprozess, beeindrucken Karshans Zeichnungen mit ihrer bildlichen Kraft.
Die Zeichnungen strahlen in ihrer elementaren Form und Einfachheit eine Aura von Ruhe und Disziplin aus. Auf den ersten Blick erscheinen sie mit einem Lineal gezeichnet, mathematisch kalkuliert und arrangiert. Bei näherer Betrachtung verraten die feinen Unregelmäßigkeiten jedoch die freie Hand, die sich hinter den Zeichnungen verbirgt und vermitteln das hohe Maß an Konzentration und Präzision, mit der jede Linie geführt wurde. Während sie deutlich an den Minimalismus erinnern, sind Karshan’s freihändig gezeichneten Linien visueller Ausdruck eines meditativen, intuitiven Arbeitsprozess, der in enger Beziehung zum Tanz steht.
Der Akt des Zeichnens ist für Linda Karshan ein Prozess, der nicht nur den Kopf und den Geist sondern auch den gesamten Körper in Anspruch nimmt. Ein Prozess, bei dem sie sich in einen konzentrierten Zustand zählt, 1-2-3-4-5-6-7-8, mit dem Fuß im Rhythmus klopft und ihre geraden Linien in tänzerischen Posen ausführt. Im Rhythmus dreht die Künstlerin das Blatt bei 2, 4, 6 oder 8 um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Die Zahlen und Rhythmen sind tief in ihr verinnerlicht und wie bei einer Choreographie leiten sie ihre Bewegungen. Die einzelnen Sequenzen variieren in ihrer Länge, sind mal kürzer, mal länger. In der Zeichnung mag Karshan beispielsweise eine vertikale Linie in eine, wie das klassischen Ballett es nennt, Arabesque-Position bewegen: mit einem nach hinten gehobenem Bein und den Graphitstift haltend in dem nach vorn gestrecktem Zeichnungshand. Jede Linie ist eine ‚Markierung’ („marks“) einer intuitiv aber bewusst ausgeführte Bewegung der Künstlerin. Die „marks“ porträtieren ihren innerlichen und äußerlichen Zustand und Ablauf zugleich – meditative Konzentration, Körperspannung und -bewegung. Auch das Geräusch des Graphitstifts auf dem Papier und das Drehen des Papiers sind ein wichtiger rhythmischer Bestandteil für ihre Zeichnungen. Ein Film, den sie mit der Tänzerin Viviana Durante und den Ballet Boyz, 2008, gedreht hat, veranschaulicht ihren tanzähnlichen Arbeitsprozess, den sie seit 1994 verfolgt.
Auch Karshans intensives Studium der Psychologie formte ihren künstlerischen Schaffungsprozess. Insbesondere die Studien der Kinderpsychologie und des sogenannten “intermediären Raums” von Donald Winnicott haben sie stark beeinflusst. Der “intermediäre Raum” charakterisiert eine Phase in der Entwicklung des Kindes, in der es lernt zwischen seiner inneren, psychischen Welt und der externen Realität umzugehen. Durch das Zählen und den Rhythmus versetzt die Künstlerin sich in diesen “intermediären Raum”, in dem sie ihre Kreativität und Freiheit voll ausschöpfen kann. Durch diesen Raum entstehen Karshans Arbeiten; es sind Aufzeichnungen ihres Seins. Die Markierung sind nicht erzwungen, sondern mit “von Intuition beflügelter Exaktheit” gesetzt – „with exactitude winged by intuition”. Ihr Schaffungsprozess ist wie eine tägliche Übung, ein tägliches Ritual, und ihre Zeichnungen Tagebucheinträge, die am nächsten Tag evaluiert werden.
Als Linkshänderin, zeichnet sie mit der rechten Hand. Den Stift hält sie wie ein Bildhauer sein Werkzeug und “schnitzt” ihre Zeichnung in das dicke Papier. Ihre Holzdrucke und Radierungen sind daher eine logische Folge ihres “carved drawing”.
In der Ausstellung werden Zeichnungen und Drucke von Linda Karshan aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsperioden gezeigt. Im Laufe der Ausstellung werden in Berlin lebende Künstler Linda Karshan einen “Überraschungsbesuch” abstatten. Die auf diese Weise in die Ausstellung gelangenden Werke werden bis zum Ende der Ausstellung von Linda Karshan bleiben und mit ihren Werken interagieren.
Linda Karshan wurde 1947 in Minneapolis geboren. Sie lernte am Skidmore College, New York, Zeichnen nach Bauhaus, studierte u.a. Kunstgeschichte in Paris und Psychologie in London. Seit 1968 lebt sie auch in London. Sie wird international in Solo- und Gruppenausstellungen gezeigt und ist in wichtigen Sammlungen wie in London in der Tate, The British Museum, The Courtauld Gallery und in Minneapolis im Walker Art Center und im Institut Valencia d’Art Modern und in Deutschland im Museum Folkwang, in Essen, Kupferstichkabinett, in Berlin, Staatliche Graphische Sammlung, in München, MPK - Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern vertreten.
Weiterhin möchten wir auf eine weitere Berliner Ausstellung von Linda Karshan in der Galerie Kit Schulte, vom 2. März – 7. April 2012, aufmerksam machen.
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TREFFEN am NACHMITTAG
Linda Karshan
Sara Sizer
Dolores Zinny & Juan Maldagan
am 3. März von 15-18 Uhr
Wir laden Sie und ihre Freunde zu diesem TREFFEN am NACHMITTAG mit musikalischer Einlage herzlich ein.
Alle Künstler werden anwesend sein.
Inspiriert durch Linda Karshans Zeichnungen bringen sich zwei weitere künstlerische Positionen am 3. März 2012 in die laufende Ausstellung Measure for Measure ein und erzeugen so ein spannendes Zusammenspiel aus Zeichnung, Malerei und Skulptur.
Für Linda Karshan (1947) sind abstrakte Zeichnungen mit sich wiederholenden Reihen von Rechtecken charakteristisch. Ihre Zeichnungen strahlen in ihrer elementaren Form und Einfachheit eine Aura von Ruhe und Disziplin aus. Karshans freihändig gezeichneten Linien sind visueller Ausdruck eines meditativen, intuitiven Arbeitsprozess, der in enger Beziehung zum Tanz steht. Ihre „marks“ porträtieren ihren inneren und äußeren Zustand und Ablauf und sind zugleich meditative Konzentration, Körper-spannung als auch Bewegung.
In der gleichen ruhigen Atmosphäre gesellt sich Sara Sizers (1967) minimalistische Malerei zu Linda Karshans Zeichnungen. Sara Sizers Farben sind Bleichmittel, mit denen sie die unbehandelte Leinwand in unterschiedlicher Intensität entfärbt. Durch die Entnahme von einzelnen Fäden aus der monochrom gebleichten Leinwand entstehen Umrisse und zumeist lineare Formen. Das Ergebnis ihrer bleached painintings und thread drawings ist ein sanftes Licht- und Schattenspiel, das auf fast alchemistische Weise seine Spuren auf den Leinwänden hinterlassen hat.
Das Künstlerpaar Dolores Zinny (1968) & Juan Maidagan (1957) ergänzen die beiden amerikanischen Künstlerinnen mit ihren skulpturalen Objekten. Zinny&Maidagans künstlerische Arbeit befasst sich stets mit dem Raum und seiner Architektur, in der sich ein politischer, psychischer und poetischer Charakter eines Ortes und einer Kultur reflektiert. Über die Jahre hat das Künstlerpaar in unterschiedlichen Formen und Materialien symbolisch-räumliche Motive umgesetzt oder diese als Grundriss für ihre Rauminstallationen verwendet. Collagen, Modelle und Skulpturen mischen sich unter die zweidimensionalen Arbeiten und geben der Linie eine weitere Dimension.
Linda Karshan, geboren in Minneapolis, USA, lebt und arbeitet in Connecticut und London.
Sara Sizer, geboren in Dallas, USA, lebt und arbeitet in Berlin.
Dolores Zinny und Juan Maidagan, geboren in Rosario, Argentinien, leben und arbeiten in Berlin.
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Linda Karshan
Measure for Measure
The art of Linda Karshan, who lives in London and Connecticut, is characterized by abstract drawings with
repeated rows of rectangles. Karshan has developed and refined her technique over the course of many years
working with the same repertoire of “marks” to produce evolving patterns. Her works spring from – and
document – a very particular working process. But quite apart from how they originate, Karshan’s drawings are
extraordinary in their visual impact.
The drawings exude, in their elementary formal language and their simplicity, an aura of discipline and
tranquility. At first glance, one might suppose that the lines were drawn with a ruler, mathematically measured
and arranged. On closer inspection, however, their fine irregularities betray the unrestricted, free hand that
produced the drawings with a high degree of concentration and precision. While they plainly invoke the
principles of minimalism, Karshan’s lines give visual expression to a meditative, intuitive working process which
bears a strong correlation to dance.
For Linda Karshan, the act of drawing is a process which engages not only the mind and spirit, but also the
entire body. The artist “counts” herself, so to speak, into a state of concentration: 1-2-3-4-5-6-7-8. She taps
her foot rhythmically and moves, or balances, like a dancer, while drawing ostensibly straight lines. She rotates
the drawing paper 90 degrees counter-clockwise on the count of 2, 4, 8, or 16. The numbers and rhythms
resonate deep within her while she works, and define her movements like a form of choreography. The various
sequences she uses vary in length, sometimes shorter, sometimes longer. In drawing a vertical line, for
instance, Karshan may move from a standing position to what classical ballet calls an arabesque: one leg
extended behind her, her drawing arm reaching forward. Every line “marks” an intuitive movement consciously
executed. These “marks” add up to a portrait of the artist’s interior and exterior condition and procedures – her
meditative concentration, her bodily tension and release. The sound of her graphite pencil crossing paper fibre,
and the sound of the paper rotating on a table surface, likewise play an important role in producing the rhythm
of Karshan’s drawings. A film made in 2008 with the dancer Viviana Durante and the Ballet Boyz provides
insight into the dance-like working process, which Karshan began using in 1994.
Karshan’s intensive study of psychology also shaped her creative process. Donald Winnicott’s studies of child
psychology and the “transitional space,” in particular, had a deep impact on her. The “transitional space”
characterizes a phase of child development, in which the child first learns to negotiate between its early,
subjective feeling of omnipotence and external reality. Through counting and rhythm, the artist transports
herself into this “transitional space,” in which she can fully exploit her freedom and creativity. Karshan’s art is
produced in this space; her drawings document her being. The “marks” she leaves on paper are not forced,
they are placed “with exactitude winged by intuition.” Karshan’s working process is analogous to a daily ritual of
exercise; her drawings are like diary entries which she evaluates on the following day.
Although Karshan is left-handed by nature, she draws with her right hand. She holds the pencil as a sculptor
holds his tool and “carves” her drawings into thick paper. Her wood-cuts and engravings, therefore, are a
logical consequence of her “carved drawings.”
In the course of the exhibition, in which Karshan will present drawings and graphic prints from various periods
of her working life, several Berlin-based artists will pay her a “surprise visit.” The works thus hung will remain
for the duration of the exhibition, complementing and interacting with Karshan’s own.
Linda Karshan was born in 1947 in Minneapolis. She studied drawing in the Bauhaus method at Skidmore
College in upstate New York, and studied moreover, among other things, art history in Paris and psychology in
London. She has lived part of the year in London since 1968. Her work has been shown in solo and group
exhibitions internationally, and collected by such important institutions as the Tate, the British Museum and the
Courtauld Gallery, London, the Walker Art Center, Minneapolis, Institut Valencia d’Art Modern, and in Germany
the Kupferstichkabinett, Berlin, Museum Folkwang, Essen, Staatliche Graphische Sammlung, Munich and the
MPK, Museum Pfalzgalerie, Kaiserslautern.
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We would also like to draw your attention to another upcoming exhibition in Berlin: new drawings by Linda
Karshan will be exhibited in the Galerie Kit Schulte, Berlin, from March 2 through April 7, 2012.
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