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Hans Schweizer - Jetzt bin ich nicht mehr müde    Apr 14 - May 16, 2012


Hans Schweizer - Jetzt bin ich nicht mehr müde

14.04.2012 - 16.05.2012

Sowohl der Weg zu Hans Schweizers Wohnort, von St. Gallen die Berge hoch, wie auch sein Lebensweg haben eines gemeinsam: Bis zum Erreichen seines jetzigen Ateliers sind unzählige Kurven zu überwinden. Dann jedoch, in seinem Wohn- und Arbeitsrefugium, offenbart sich eine Welt, die authentisch, gradlinig und einzigartig ist, dass es jedem Kunstliebhaber warm ums Herz wird. Mir jedenfalls erging es so. Wer dann noch Selbstgebackenes und feinen Tee geboten erhält, der wähnt sich in einem Film. Einem Kunstfilm, notabene.

So also lebt und arbeitet ein wahrer Künstler, einer, dem die Zeit nichts anhaben konnte, einer, der sich keine Castingshows ansieht, der nicht stundenlang im Internet surft, der keine meterlangen Konzepte schreibt und der sich auch nicht um aufgeblasene Herzballone, eingestampfte Haie, Rutschbahnen für Museumsbesucher oder konservierte Fäkalien kümmert. Bezeichnungen wie Eventkunst, zeitgenössisch oder Avantgarde kommen für seine Arbeit nicht in Frage. Das Bonmot des französischen Schriftstellers Romain Gary (gest 1980), wonach "Avantgardisten Leute sind, die nicht genau wissen, wo sie hinwollen, aber als erste da sind," ist kilometerweit weg von ihm. Schweizers Wege sind zwar kurvig, oft mit engem Radius, aber radikal ehrlich, erstaunlich homologisch, faszinierend authentisch und es geht immer weiter, weiter. Im Grunde ist der rund 70 Jahre alte Künstler ein echter, unverkrampfter Progressiver.

Das Schaffen des Künstlers bewegt sich eng am eigenen Erleben und seinem unmittelbaren visuellen Umfeld, weitet sich aber immer um die Perspektive eines hellwachen politischen Zeitgenossen und berichtet von der aktuellen Lebensstimmung und von Zeitgefühlen. Von Anbeginn gelingt es Hans Schweizer, die Volkskunst seiner Herkunftsgegend in seine Sicht der Welt und in Zeitgenossenschaft zu transportieren und zu transformieren. Sein Schaffen ist geprägt von einer Dringlichkeit, die immer wieder verbunden ist mit einem latenten Gefühl der Weltbedrohung, der Sorge um den Menschen, der Brisanz, auch des Mitgefühls. Im Verlaufe meines ersten Besuchs redete Hans Schweizer über seine Stationen:

„Als Kind fürchtete ich mich vor Feuersbrünsten und dunklen Wäldern. Vaters neu gebaute Scheunen zeichnete ich und bediente mich aus seiner Werkstatt mit Holz, Hammer und Nägeln. Cowboy wollte ich sein in Amerika, im Wilden Westen, und hierzulande Architekt. Schliesslich landete ich als Schaufensterdekorateur in St. Gallen und bastelte da an Schaufensterdekors. Nach der Rekrutenschule erhielt ich den Auftrag, zu einer Ausstellung über den für seine Holzbrücken berühmten Baumeister Grubenmann Bildtafeln zu malen. Für mich kritzelte ich Hinterglasbilder und malte kleine Gouachen und Ölbilder.“

Weiter: „Einige Zeit arbeitete ich für die Expo 1964 in Lausanne, zog dann aber nach Paris. Ich studierte an der Ecole des Beaux-Arts in Paris, bei Couturier versuchte ich mich in Bildhauerei, bei Lucien Coutand ätzte ich Radierungen. Irgendwann war da ein Riesenkrawall in den Strassen von Paris, viele Polizisten. So ging ich mit Frau und Kind zurück in die Schweiz.

Es folgten bald Stipendien und Auszeichnungen, etwa vom kanadischen Arts Council. Mit dem Schiff „Aleksander Puschkin“ überquerten wir das Meer und gingen in Montreal an Land, von da mit der Bahn nach Ottawa. Ich arbeitete an der Universität im Fine-Arts Department. In Toronto organisierte der Kunsthändler Walter Moos eine Ausstellung.“ „Nach zwei Jahren zog es uns zurück nach Europa – ich war glücklicher hier. Wir lebten in West-Berlin. Ich hatte etwas Kontakt mit Rudolf Springer, bei dem ich mich mit Acryl auf Holz befasste. Hin und wieder ging ich nach Berlin Ost. Das war in einem anderen Land, in einer fremden Kultur. Wir besuchten den Wachssoldaten Schaschterbak, der das Heldendenkmal der sowjetischen Armee bewachte, oder wir gingen ins Theater. Zwar hatte ich einige Ausstellungen in Deutschland, aber dort bleiben wollte ich nicht. So zogen wir weiter, in die Ostschweiz. Nach einer schweren Krankheit malte ich nur noch monochrome Bilder. Irgendwie bin ich in der Roten Familie gelandet und verkehrte da mit André Thomkins, Pierre Haubensack, Rosina Kuhn und anderen Kollegen. Doch auch da kamen Jugendunruhen auf, das Leben in Zürich wurde mir zu anstrengend und das Geld war knapp. In jener Zeit hatte ich zwar ziemlich viele Ausstellungen, aber auch viele finanzielle Verpglichtungen. Wir zogen uns nach Gais zurück. Bei meiner Ankunft war ich müde, wusste aber nicht so recht, wieso. Jetzt bin ich nicht mehr müde und erinnere mich an die vielen intensiven Momente in meinem Leben.“

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