Peter Miller. Sleight
29. Oktober bis 22. Dezember 2011
Eröffnung: Freitag, 28. Oktober 2011, 19 bis 21 Uhr
„....die exakteste Technik kann ihren Hervorbringungen einen magischen Wert geben, wie für
uns ihn ein gemaltes Bild nie mehr besitzen kann“ (Walter Benjamin 1931). Ganz im Sinne
von Walter Benjamins paradoxischer These zur Fotografie widmet sich Peter Miller in der
Ausstellung „Sleight“ einer experimentellen Untersuchung des historischen Gegensatzpaares
von Technik und Magie. Miller zeigt, wie die Geister der Fotografie uns bis heute in ihrem
Bann halten. Galerie Crone freut sich, eine Gruppe von Fotografien, Fotogrammen und installativen
Arbeiten präsentieren zu können, die sich mit den Um- und Neuinterpretationen
fotografischer Techniken beschäftigen und nun zum ersten Mal zu sehen sind.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage nach der Performativiät des Bildes, nach seiner
prozessualen Natur und dem (magischen) Akt seines Zustandekommens. Diesen Akt beschreibt
Miller mit dem englischen Wort „sleight“. Es meint die unsichtbare Ausführung oder
Performance, die ein Bild entstehen lässt wie das Produkt eines versteckten Zaubers. Millers
fotografische Bilder und bildliche Fotografien sind technisch produzierte Dokumentationen
dieses Prozesses und verlieren doch nichts von ihrem rätselhaften Schein.
Die Arbeit „Faux Foto“ zum Beispiel inszeniert den Zauber der Fotografie und überschreitet
zugleich die Grenzen des Fotografischen. Sie besteht aus einer zwei mal ein Meter großen
Papierleinwand, die mit Spray Tan besprüht wurde. Gewöhnlich als Mittel zur artifiziellen
Bräunung der Haut verwendet, funktioniert Spray Tan hier ebenfalls als Sonnenersatz, der
auf die Papieroberfläche zeichnet wie die Sonne auf die Haut. Das Wunder der Fotografie
besteht gerade darin, mit Licht auf einer lichtempfindlichen Oberfläche Spuren hinterlassen
und diese Spuren fixieren zu können. „Faux Foto“ inszeniert diesen Prozess des Fotografischen
außerhalb von Fotografie selbst.
Millers Arbeit steht im Spannungsfeld von Gegensätzen und unmöglichen Beziehungen. In
der zweiteiligen Foto-bzw. Fotogrammarbeit „Neapolitan (Developer, Stop, Fix)“ sehen wir
wie der Zerfall eines realen Objektes zur Konstituierung eines neuen, der Fotografie immanenten
Gegenstandes führt. Die Arbeit besteht aus einem Eis-am-Stiel, das auf Fotopapier
platziert wurde. Der langsame Prozess seiner Zersetzung bzw. seines Zerschmelzens wurde
belichtet und fixiert. Entstanden ist ein Fotogramm von surrealer Ambiguität, das kontrastiert
wird mit der strengen Fotografie, die gerade den Prozess seiner Entstehung dokumentiert.
Millers Fotografien von Fotografien können sicherlich in der konzeptuellen Tradition der Konkreten
Fotografie gesehen werden, die bis in das frühe zwanzigste Jahrhundert zurück reicht
(z. B. Christian Schad, László Moholy-Nagy, Man Ray) und in den späten 1960er Jahren eine
neue Blüte erfuhr. „Sleight“ stellt jedoch unter Beweis, dass es Miller um eine andere
Form von Fotografie geht, um eine Fotografie, die den Fokus von konzeptueller Selbstreferentialität
auf die „magischen Hervorbringungen der Technik“ wendet.
Peter Miller wurde 1978 in Vermont, USA geboren. Seit 2008 lebt und arbeitet der Künstler
in Köln. Miller studierte Freie Kunst an der renommierten School of the Art Institute of Chicago
und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Seine Arbeit wird international ausgestellt und ist
in der Sammlung der University of Wisconsin, Milwaukee vertreten. Jüngste Einzelausstellungen
des Künstlers umfassen „Means to See” (2011) im PACT Zollverein, Essen sowie
“Leads to Gold” (2010) in der Mikro Galerie, Düsseldorf. Im Jahr 2011 wurden Millers Fotografien
in der Bundeskunsthalle Bonn ausgestellt.
Die Ausstellung „Peter Miller. Sleight“ ist vom 29. Oktober bis zum 22. Dezember 2011 im
Untergeschoss der Galerie Crone zu sehen.
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