Eduard Bargheer: Traumstadt und Südlicher Garten
17. November 2012 – 2. März 2013
Vernissage, Samstag, dem 17. November 2012,
zwischen 12 und 19 Uhr
„Bargheer gehörte zu der Künstlergeneration Mitteleuropas, die um 1930 zu der ihr
eigentümlichen Ausdrucksweise fand, deren reifes Werk dann aber durch die politische und
kulturelle Nacht von 1933 bis 1945 sich nicht in einem üblichen Kunstbetrieb entfalten
konnte. Er wurde 1901 in Hamburg-Finkenwerder geboren, war weitgehend Autodidakt und
fand im Kreis der Hamburger Sezession um Friedrich Ahlers-Hestermann oder Karl Kluth
und in Paris zwischen 1930 und 1935 zum eigenen Stil zwischen magischem Realismus und
Abstraction-Création. Während weiter Reisen befragte er immer wieder die Landschaft in
seiner Bildvorstellung, in zahlreichen Freundschaften das Porträt. Nach 1933 zog er mehr
und mehr das kulturell und menschlich freiere Italien vor, das für ihn und für viele andere
Kulturschaffende zum Land einer, wenn auch oft prekären, Zuflucht wurde. Florenz wurde
seine Stadt und Ischia seine Landschaft, deren Hymne er bis zu seinem Tode sang. Die
nach Italien gegangenen Maler blieben eigenartigerweise auch nach 1948 der Figuration
treu, so auch Bargheer, und somit war er auch danach wiederum Aussenseiter. Aus seinem
Atelierhaus in Forio d’Ischia unternahm er in den sechziger Jahren wieder ausgedehnte
Reisen nach Tunesien, Marokko, Ägypten, Mali, Senegal und später Griechenland und
Süditalien, die bedeutende Spuren in seinem Werk hinterliessen. Er starb 1979 in seinem
Fischerhaus in Hamburg-Blankenese.“
„Eduard Bargheer erlebte im Oktober 1935 auf der Insel Ischia das Wunder des Südens, das
er am 20. Oktober so beschrieb: "Jeden Morgen, wenn ich die Läden öffne und auf
Sant'Angelo blicke, durchfährt mich wieder der gleiche freudige Schreck, dass alles wirklich
existiert, dass ich den Ort nicht träume." Und am 23. Oktober: "Morgen bin ich 10 Tage hier,
und ich habe das Empfinden, dass sie wichtig werden für mein ganzes weiteres Leben."
Doch ehe Bargheer ab 1948 voll und ganz vom äusseren Schein zur inneren Struktur dieser
Insel vordringen konnte, waren ihm nur kurze Aufenthalte möglich, die allerdings Thematik
und Stil prägten. Alles Kleinteilige verschwand mehr und mehr aus seinen Kompositionen, er
näherte sich den Grundstrukturen von Form und Farbe. Er löste sich von den
abstrahierenden Erfahrungen, die er 1933 in Paris machte, vom "nordischen
Expressionismus" eines Ahlers-Hestermann und Karl Kluth, von seinen Kompositionen der
norddeutschen Küste und des Watts, in denen er die unterschiedlichen Stimmungen des
Wetters und der Tageszeiten variiert hatte. Mit den dort gewonnenen Form- und
Farberfahrungen und mit schwingendem breiten Pinsel fing er die ganze Stimmung der
südlichen Landschaft und des südlichen Lebens ein.“
(Aus einem Text von Wolfgang Henze)
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