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YOUNG TALENTS
Stéphanie Marie Couson, Jonathan Heyer, Catherine Leutenegger,
Zhang Peng, Julian Salinas
28. Oktober 2011 – 14. Januar 2012
Eröffnung Donnerstag, den 27. Oktober, 18:00 - 20:30
Der Fokus und der Schwerpunkt der „Young Talents“ – Ausstellung in der Hammer Gallery liegt
in der inszenierten Fotografie. In den gezeigten Arbeiten werden Elemente des Bildinhaltes in
einen definierten Zusammenhang gestellt um bestimmte emotionale Reaktionen beim
Betrachter zu wecken. Oft betreiben die Künstler dabei einen sehr hohen technischen
Aufwand, dieser bleibt jedoch stets nur Mittel zum Zweck.
Stéphanie Marie Couson, Jonathan Heyer, Catherine Leutenegger, Zhang Peng und Julian
Salinas nehmen in ihren Arbeiten nicht nur die Position des Fotografen, sondern auch die des
Regisseurs, des Architekten, des Literaten, des Philosophen und Erzählers ein.
In der 2010 entstandenen Serie „Mira“ erzeugt Stéphanie Marie Couson (*1970 in Dijon,
Frankreich) durch die spezielle Inszenierung des Portraits eines jungen Mädchens und dessen
Zusammenspiel mit Fotografien von Bäumen, aufgenommen in unterschiedlichen
Jahreszeiten, ein tiefes emotionales Gefühl, das die seelische Verfassung eines
heranwachsenden Mädchens widerspiegelt. In der Serie ist dieser Reifeprozess ersichtlich,
dabei wechseln die emotionalen Zustände des Mädchens zwischen Unzugänglichkeit,
Befangenheit bis hin zur Akzeptanz seines selbst. Stimmungskorrespondenzen zwischen dem
Mädchen und der Landschaften werden durch die Gegenüberstellung deutlich. Das
Mädchen posiert in Dreiviertelansicht oder im Profil vor schwarzem Hintergrund; die
Aufnahmen wecken Assoziationen zur klassischen Portraitmalerei der Renaissance.
Es handelt sich in der Arbeit von Couson um ein psychologisches Portrait, um die Wiedergabe
eines seelischen Zustandes. Hier zeichnet sich die Inszenierung anhand einer großen Anzahl
von kleinen Details aus, die die Emotionen schließlich in der Präsentation als Gruppen von
Diptychen zur vollkommenen Entfaltung reifen lässt.
Jonathan Heyer (*1977 in Zürich, Schweiz) inszeniert in seiner Serie „America in Crisis“ (mit der
er 2006 den Swiss Photo Award 2009 gewann) unter Anderem Comic-Figuren wie Batman in
einer real existierenden Welt. Die weltweite Wirtschaftskrise der letzten Jahre wird in dieser
Serie thematisiert: „Die drei Superhelden stehen sinnbildlich für Amerika. Jeder steckt auf
seine eigene Art und Weise in der Krise. Einstige Idole, unverletzbare, unangreifbare Ikonen
liegen geschlagen, gedemütigt und schwach am Boden. Superman, Batman und Wonder
Woman sind in der Krise allein und verlassen, verzweifelt. Es gilt, sie neu zu definieren. Die
fotografische Umsetzung sollte das Drama einfangen.“ (Zitat Jonathan Heyer)
Die Serie„Car Crash“ stellt eine weitere detailstarke und sehr aufwendige Inszenierung von
Autounfällen dar. Der aus diesem Unfall resultierende Schock bringt die restliche Welt abseits
des Unfallortes zum Stillstand; die emotionale Leere und Verlorenheit nach dieser Katastrophe
wird deutlich spürbar. Der Unfall trägt nur noch als Hintergrund oder Bühnenbild zur Szene bei:
„Meine Arbeit ist eine ästhetische Inszenierung eines eigentlich äusserst unästhetisches
Ereignisses, dem Autounfall. (...) Alle Szenen evozieren beim Betrachter automatisch
Geschichten, Vermutungen, was vorher wohl war und was nach folgen könnte. Für die Bilder
wurden komplette Sets aufgebaut, die eher an Film- denn an Fotosets erinnern. Aus diesem
Grund muten die Bilder auch mehr wie Film Stills als klassische Fotos an.“ (Zitat Jonathan
Heyer)
Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Inszenierungsbegriff zeigt die Serie „Hors-Champ“ /
„Ausserhalb des Blickfeldes“ von Catherine Leutenegger (*1983 in Lausanne, Schweiz).
Zwischen 2006 und 2008, mit diesen Arbeiten, gewann die Künstlerin den Manor Kulturpreis,
das Atelierstipendium New York (Kanton Waadt), den Raymond Weil International Foto Preis
und den Schweizer Eidgenössischer Preis für Design. Hier werden Künstlerateliers zur Schau
gestellt, dabei gewährt uns die Künstlerin einen Blick hinter die Kulissen der Inszenierung. Das
photographische „Making Off“ wird sichtbar. Zugleich hinterfragt Catherine Leutenegger
kritisch die Zukunft der klassischen Fotografie:
„Hors-champ ist eine Einladung, fremde Gegenden zu entdecken, wo fotografische Bildnisse
gestaltet werden. Es ist eindeutig, dass die Fotografie einen neuen Weg einschlägt und ihre
Zukunft scheint digital zu sein. Es ist meine Absicht, die eigentliche Zukunft dieses Mediums in
Frage zu stellen, indem ich die Entstehungsstätten der traditionellen Fotografietechniken
enthülle. Haben die Studios der Fotografen eine Zukunft? Was wird morgen vom Zubehör und
der Szenerie übrig bleiben? Was ist heute von der Dunkelkammer übrig? Wird die
Dunkelkammer in der Zukunft nur von Amateuren genutzt? Werden die Produzenten des
Papiers, der Filme, der Chemikalien verschwinden? Ist der Bildschirm das neue fotografische
Labor? Und welche Meinung haben die Fotografen zu dieser Evolution?.“(Zitat Leutenegger)
Zhang Pengs (*1981 in Shandong, China) Fotografien gleichen Standbildern aus Fantasy-
Trickfilmen; in Fakt sind sie Aufnahmen von aufwendig aufgebauten Sets, in denen junge
Mädchen die Hauptrolle spielen. Ausgebildet als klassischer Maler nähert sich Zhang seinen
Kompositionen mit einem erhöhten Bewusstsein der Dramaturgie, dabei verwendet er
intensive Farben, theatralische Requisiten und ungewohnte Perspektiven um eine
Künstlichkeit und Illusion der Realität darzustellen.
Julian Salinas (*1967 in Düsseldorf, Deutschland) präsentiert Arbeiten aus der Serie „In the
Dark“. Die bei Dunkelheit abgelichteten Spielplätze erwirken beim ersten Betrachten den
Eindruck farbenfroher Modelle eines Bühnenbildes. Die Plätze wurden jedoch von dem
Künstler so vorgefunden und nicht inszeniert, sondern schlicht in Szene gesetzt. In dieser
eigentlichen Umkehrung der Inszenierung spielt Salinas mit dem Empfinden des Betrachters
und zeigt die Bauten in einem unerwarteten Licht: „Im Dunkeln kommen die Spielskulpturen
ganz ruhig und lautlos daher. Keine Menschen stehen, sitzen und liegen. Die Spielplätze sind
unbespielt und leer. Die fast surreal anmutenden Bauten, sind Ihrer ursprünglichen
Aufgabe, Kinder zu beherbergen entledigt.“ (Zitat Salinas)
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