Benjamin Houlihan: Miss me
1. Dezember 2012 bis 19. Januar 2013
Eröffnung: Freitag, den 30. November 2012 von 19 bis 21 Uhr
In seiner ersten Einzelausstellung bei dh-artworks mit dem Titel „Miss Me“, zeigt Benjamin Houlihan eine Installation und Zeichnungen.
Die Irritation setzt ein, sobald man den großen Galerieraum betritt:
Die Anordnung der Raumkomponenten scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein, die eigene Verortung damit gleichsam
verrückt. In der raumgreifenden Intervention verlegt Houlihan aus Epoxidharz und Sand gefertigte Abformungen von alten, witterungsbedingt aufgeplatzten Sperrholzplatten, die er zudem auch in
Bronze nachgebildet hat. Dabei wird der Bodenbelag auf der einen Raumseite über die eigentliche Bodenfläche hinaus die untere Wandzone entlang geführt, die so als Verlängerung der
Bodenfläche erscheint. In umgekehrter Entsprechung erscheint die Bodenfläche auf der anderen Raumseite verkürzt. Hier wurden die Platten um die gleiche Entfernung von der Wand weggerückt,
so dass der von der Bedeckung ausgesparte und mit Wandfarbe angestrichene Bereich den Eindruck erweckt, als setze sich die Wandfläche über den Galerieboden hinweg fort. In ihrer
Überschreitung der realen, rechtwinkligen Grenze zwischen Wand und Boden, vertikaler und horizontaler Ebene, täuscht die irreführende Raumauskleidung eine abweichende Raumaufteilung vor.
Indem er die Bereiche von Wand und Boden verschiebt, „kippt“ Houlihan das Raumgefüge. Damit verunsichert er die Wahrnehmung der räumlichen Verhältnisse und fordert eine Umorientierung.
Konsequent nimmt die Hängung einer Reihe von Zeichnungen in rostbraunen Rahmen aus Bronze Bezug auf die geänderte Wand- und Bodenaufteilung, so dass die Zeichnungen, zwar im gleich
bleibenden Abstand zur neuen Grenze, einerseits im konventionellen Sinne zu hoch, andererseits zu niedrig angebracht sind.
So wie Houlihan die Raumkontur durchlässig werden lässt, so verflüssigt er in seinen Tusche und Bleistiftzeichnungen die Übergänge zwischen Linie und Form, Figuration und Abstraktion.
Sie entstehen als variable Versuchsanordnungen einer ungebundenen Linie, die frei von bildnerischen oder abbildenden Zwängen ist und aus der die Form scheinbar zufällig hervorgeht.
So erscheinen die Motive als freie Improvisationen, mögliche Formfindungen. Die manchmal unvermittelt auftretenden Gesichter, Figuren oder Gegenstände unterliegen allesamt einer gewissen
Verzerrung, die an Vexierbilder oder Anamorphosen erinnert. In ständiger Veränderung inbegriffen, folgen sie keiner physikalischen oder physiognomischen Regel, keinem Streben nach Proportion,
sondern erwachsen allein aus dem zeichnerischen Impuls, der das Liniengefüge kippen lässt und in der Durchdringung von Möbel und Mensch, Architektur und Anatomie neue gestalterische
Möglichkeiten erkundet. Mit großer Freiheit nimmt Houlihan eine Fährte auf, um sie wieder fallen zu lassen und eine andere Richtung einzuschlagen. Seine Zeichnungen sind spielerische
Formulierungen, mit denen er die Fixierung der Form umgeht, um stattdessen das Potenzial des Zeichenprozesses in multiplen Transformationen aufzuspüren.
Zur Ausstellung wird ein Buch in einer Auflage von 150 Stück erscheinen. Die ersten zehn Exemplare sind mit farblich verschiedenen Einbänden versehen und beinhalten jeweils eine Originalzeichnung.
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