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Fausto Melotti    Apr 5 - Aug 30, 2013

La camicia di Archimede
Fausto Melotti
La camicia di Archimede, 1983
 
Margherita e i gioielli
Fausto Melotti
Margherita e i gioielli, 1979
 
Ohne Titel /  Untitled
Fausto Melotti
Ohne Titel / Untitled, 1961
 
Ohne Titel /  Untitled
Fausto Melotti
Ohne Titel / Untitled, 1960
 
Ohne Titel / Untitled
Fausto Melotti
Ohne Titel / Untitled, circa 1959
 
Omaggio a Max Ernst
Fausto Melotti
Omaggio a Max Ernst, 1966
 
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Fausto Melotti
5. April – August 2013

Fausto Melotti gilt als Pionier der geometrischen Abstraktion in Italien. Sein künstlerischer Ruf gründet auf jenen geometrisch-abstrakten und zugleich figürlich-poetischen Gebilden, welche imposant die zwei formenden Disziplinen seines Schaffens aufzeigen: die Musik und die Ingenieurskunst. Daneben hinterließ er ein umfangreiches zeichnerisches Werk sowie keramische Arbeiten und seine Teatrini, welche sich durch ihre unverwechselbare Handschrift mit jenen phantasievollen Drahtskulpturen zu einem überraschend in sich geschlossenem Gesamtwerk verbinden. Die Galerie Karsten Greve widmet Fausto Melotti als Vorreiter einer absoluten Kunst erneut eine umfassende Einzelausstellung.

Mit Leichtigkeit balanciert Melotti zwischen Stilen und Bewegungen, Gattungen und sogar Disziplinen, ohne dass sein Werk je von einer bildnerischen Formensprache vereinnahmt würde. Kennzeichnend steht die unentwegte Suche nach neuen Materialien und Gestaltungsmöglichkeiten. Stein, Bronze, Gips, Ton und Terrakotta, Messing, Stahl oder Kupfer, darunter auch gefundene Materialien – scheinbar spielend arrangiert er seine Kunst zu geheimnisvoll fabulierenden Objekten, die in ihrer Konstruktion durch Zahlen, Maße, Proportionen und rationale Mechanik kontrastiert werden. Ähnlich wie sein Zeitgenosse und langjähriger Freund Lucio Fontana sucht auch Melotti früh die substanzielle Darstellung der Dinge frei von allen Nebensächlichkeiten und zeigt in seinen Arbeiten das Streben nach einer Einfachheit im Ausdruck und in der Behandlung und der Auswahl des Materials auf. Inspiriert durch seinen Anschluss an den Kreis der rationalistischen Abstrakten um die Galleria del Milione in Mailand ab 1933-34 nähert er sich seiner künstlerischen Vorstellung: streng geometrische Konstruktionen im Sinne der platonischen Ideenlehre. Als Leitgedanke steht die Modulation, denn diese, so Melotti, „kommt von Modul = Regel = Ordnung.“ Jene Arbeiten werden vereinheitlicht als Skulptur mit einer Nummer betitelt und reminiszieren der Musik, Mathematik, Bildhauerei und schließlich der Architektur. Stilistisch blickt diese revolutionäre Formenvereinfachung früh auf den Minimalismus der 1960er Jahre.

Als Quelle seiner Arbeit dient Melotti stets die eigene Zeichnung, die ebenso sämtliche Medien und Möglichkeiten auslotet. Tausende Bleistift- und Federzeichnungen, Pastelle und Aquarelle bezeugen die sakrale Bedeutung als Vermittler von Gedanke und Hand und kommunizieren auf diese Weise mit den verschiedenen Gattungen: zunächst die keramischen Vasen, die freien Figurinen aus Terrakotta und die in deren Weiterentwicklung als miniaturhafte Reliefs mit Figuren und Objekten entstandenen Teatrini. In der meisterlichen Verschmelzung von höchsten künstlerischen Ansprüchen und traditionellen kunsthandwerklichen Formentypen zeigt Melotti jenes gerade in Italien tief ausgeprägte Gespür für die alten keramischen Techniken auf. Zu nennen sind hier ebenso die über 500 bassorilievi aus Gips oder Terrakotta, die parallel als eigenständige, in sich geschlossene Werkgruppe entstehen und die weniger Flachreliefs als skulpturale, auch collagierte und bemalte Wandobjekte darstellen.

Kontrastiert wird diese Dichte und Schwere jener traditionellen Materialien ab den 1950er Jahren mit einer neuen skulpturalen Werkreihe, die an die Geometrien der 1930er anknüpft: Inspiriert von Calder und Giacometti führt Melotti seine Arbeiten in konstruktivistischer Klarheit und poetischer Erzählkraft zu filigraner Leichtigkeit und räumlicher Transparenz. Die grazilen, kunstvoll strukturierten Gebilde aus dünnem Draht in Löttechnik zeigen sich als dreidimensionale Zeichnungen im Raum, als fein verästelte Konstruktionen, in die Melotti oft bemalte Textilien, bunte Stoffbänder, Metall-Gespinste oder kleine figurative Plastiken integriert. Sein Ausspruch "Mein Tun ist ein Spiel und wenn es gelingt, ist es Poesie" steht bezeichnend für die gewichtslos wirkenden Skulpturen, die sich zwischen konstruiertem Minimalismus und geheimnisvoll sprechenden Bild-Metaphern verorten. Unbeeinflusst von äußeren Strömungen, welche die internationale Kunst seit den 1960er Jahren in schnellem Wechsel hervorgebracht hat, schafft Melotti sein unverwechselbares Spätwerk, deren Spannung sich über stete Gegenpole erzeugt: Figuration und Abstraktion, Phantasie und Ratio, Poesie und Realität, Leichtigkeit und Melancholie werden vereint zu einem weit ausgreifenden Werk der italienischen Moderne.

Fausto Melotti wurde 1901 in Rovereto bei Trient geboren. Seine Arbeiten fanden erst spät, Ende der sechziger Jahre weitläufige Beachtung und werden seitdem in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, vor allem in Italien, geehrt. Eine erste große Retrospektive im deutschsprachigen Raum wurde im Jahr 2000 vom Institut Mathildenhöhe, Darmstadt und dem Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg realisiert. 2010 widmete ihm die Kunsthalle Mannheim eine umfassende Werkschau, die im Folgejahr im Kunstmuseum Winterthur gezeigt wurde. Fausto Melotti verstarb 1986 in Mailand.

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Fausto Melotti
5 April – August 2013

Fausto Melotti is a pioneer of geometric abstraction in Italy. His reputation as an artist is based on the geometric abstract and simultaneously figurative-lyrical creations that impressively demonstrate the two decisive disciplines of his work: music and the art of engineering. In addition, he also left behind a large oeuvre of drawings as well as ceramics, as well as his teatrini, which through their distinctive style fuse with the imaginative wire sculptures to form a surprisingly coherent oeuvre. Galerie Karsten Greve devotes once again a comprehensive solo show to Fausto Melotti as a pioneer of an absolute art.

With ease, Melotti balances between various styles and movements, genres, and even disciplines, and his work is never appropriated by one single artistic formal vocabulary. Typical for this is his constant search for new materials and creative possibilities. Stone, bronze, clay and terracotta, brass, steel, or copper, also found objects – seemingly playfully, he arranges his art into mysteriously narrative objects, which in their construction are contrasted through numbers, measurements, proportions, and rational mechanics. Similar to his contemporary Lucio Fontana, who was a friend for many years, Melotti seeks to represent the essence of things, leaving out everything irrelevant, and his work he demonstrates the striving for simplicity in expression and in the treatment and choice of materials. Inspired by his inclusion in the circle of rationalist abstract artists around the Galleria del Milione in Milan from 1933-34 onwards, he gets closer to his concept of art: rigorously geometric constructions in the spirit of Platonic ideas. His leading notion is that of modulation, because, as Melotti explains, it “comes from module = rule = order”. These works as sculptures are all given numbers as titles and are reminiscent of music, mathematics, sculpture, and finally architecture. In terms of style, this revolutionary simplification of form looks ahead to the minimalism of the early 1960s.

For Melotti, the foundation of his work are his own drawings that explore all media and their possibilities. Thousands of pencil and pen drawings, pastels, and watercolours are evidence of their sacred significance as mediators between thought or idea and hand, and in this way communicate with various genres: first of all the ceramic vases, the free Figurines of terracotta, and their further development into miniature-like reliefs with figures and objects: the Teatrini. In the masterful fusion of the highest artistic standards and traditional shapes familiar from the decorative arts, Melotti displays a deep sensitivity for old ceramic techniques, which were especially strong in Italy. In this context, we also need to mention the over 500 plaster and terracotta bassorilievi, less flat reliefs than sculptured, sometimes collaged and painted wall objects, which he creates as an independent work group.

The density and weight of these traditional materials is contrasted from the 1950s onwards with a new sculptural work series that is linked to the geometric works of the 1930s. Inspired by Calder and Giacometti, Melotti, with constructivist clarity and poetic narrative power, takes these works to a delicate ease and lightness and spatial transparency. The elegantly delicate, skilfully structured formations made of thin wire soldered together reveal themselves as three-dimensional drawings in space, delicately ramified constructions into which Melotti frequently integrates painted textiles, colourful ribbons, metal webs, or small figurative sculptures. His statement, “My activity is a game, and when it succeeds, it is poetry”, is characteristic for his seemingly weightless sculptures that are positioned somewhere between constructed minimalism and mysteriously eloquent visual metaphors. Not influenced by the external trends that have been changing so swiftly in the international art world since the 1960s, Melotti created his distinctive late work, whose tension is the result of constant anti-poles: figuration and abstraction, imagination and ratio, poetry and reality, lightness and melancholia, are united to form an expansive work of Italian modernism.

Fausto Melotti was born in 1901 in Rovereto near Trent. His work received extensive attention relatively late, at the end of the 1960s, and since then have been honoured in numerous solo and group exhibitions. The first comprehensive retrospective in German-speaking countries was realised in 2000 by Institut Mathildenhöhe in Darmstadt and the Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg. In 2010, the Kunsthalle Mannheim dedicated a comprehensive exhibition to him, which in the following year was shown at Kunstmueum Winterthur. Fausto Melotti died in 1986 in Milan.

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